Gebäude als Fledermausquartiere: Schutz für das Große Mausohr
Gebäude in unseren Städten und Gemeinden sind weit mehr als nur menschliche Lebensräume. Für zahlreiche Wildtiere bieten sie Unterschlupf und Brutstätten – insbesondere für Fledermäuse. Als Bauherr, Sanierer oder Architekt tragen Sie eine wichtige Verantwortung und haben zugleich die Chance, aktiv zum Artenschutz beizutragen. Dieser Artikel beleuchtet, wie Sie Fledermäuse, speziell das Große Mausohr, bei Ihren Projekten berücksichtigen und schützen können.
Warum Gebäude für Fledermäuse so wichtig sind
Fledermäuse sind nachtaktive Insektenjäger, die tagsüber und während der Überwinterung sichere und störungsfreie Quartiere benötigen. Natürliche Höhlen und Baumhöhlen werden zunehmend seltener, weshalb viele Arten auf menschliche Bauwerke ausweichen. Hier finden sie stabile Temperaturen, Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Besonders beliebt sind Dachböden, Fassadenspalten, Rollladenkästen, Hohlräume in Mauern und Keller.
Das Große Mausohr (Myotis myotis) ist eine der größten heimischen Fledermausarten und ein Paradebeispiel für einen Gebäudebewohner. Es bevorzugt geräumige, warme und ungestörte Dachböden von Kirchen, Schlössern oder größeren Wohnhäusern für seine Wochenstuben, in denen die Weibchen ihre Jungen aufziehen. Im Winter suchen Große Mausohren kühle, feuchte und frostfreie Keller oder Stollen zur Überwinterung auf. Der Erhalt oder die Schaffung solcher Quartiere ist entscheidend für ihr Überleben.
Rechtlicher Schutz und Ihre Verantwortung
Alle Fledermausarten in Deutschland sind streng geschützt. Dies ist im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowie in der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) verankert. Das bedeutet, es ist verboten, Fledermäuse zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.
Für Sie als Planer oder Ausführender bedeutet dies, dass Sie bei Bau- oder Sanierungsvorhaben eine sorgfältige Prüfung auf Fledermausvorkommen durchführen müssen. Werden Fledermäuse oder ihre Quartiere entdeckt, sind Maßnahmen zum Schutz der Tiere und ihrer Lebensräume zwingend erforderlich.
Konkrete Maßnahmen für Bauherren, Sanierer und Architekten
Der Schutz von Fledermäusen lässt sich oft mit geringem Aufwand in Bauprojekte integrieren. Hier sind einige praxisnahe Empfehlungen:
- Vor der Planung: Bestandsaufnahme und Beratung:
Prüfung auf Vorkommen: Lassen Sie vor Beginn der Arbeiten eine fachkundige Untersuchung durchführen, um Fledermausquartiere zu identifizieren. Dies ist besonders wichtig bei älteren Gebäuden, Kirchen oder Objekten mit bekannten Fledermausvorkommen in der Umgebung. Experten hinzuziehen: Nehmen Sie frühzeitig Kontakt zu lokalen Naturschutzbehörden oder Fledermausexperten auf. Diese können Sie beraten und bei der Planung artenschutzgerechter Lösungen unterstützen.
- Während der Bauphase: Quartiere erhalten und schaffen:
Zugänge sichern: Achten Sie darauf, vorhandene Einflugöffnungen (z.B. unter Dachziegeln, an Giebeln, in Mauerritzen) zu erhalten oder nach Möglichkeit wiederherzustellen. Fledermäuse benötigen Spalten von nur 1,5 bis 2 cm Breite. Zeitliche Planung: Vermeiden Sie Bauarbeiten, die Fledermäuse stören könnten, während der sensiblen Phasen: Wochenstubenzeit (Mai bis August): Hier werden die Jungen geboren und aufgezogen. Störungen können zum Tod der Jungtiere führen. Überwinterungszeit (Oktober bis März): Aufwachende Fledermäuse verbrauchen wertvolle Energiereserven, was tödlich sein kann. Materialwahl: Verwenden Sie möglichst naturnahe und schadstofffreie Materialien. Holzschutzmittel oder Fassadenanstriche mit toxischen Inhaltsstoffen können Fledermäuse schädigen. Alternative Quartiere: Ist der Erhalt eines Quartiers nicht möglich, müssen adäquate Ersatzquartiere geschaffen werden. Dies können spezielle Fledermauskästen sein, die an geeigneten Stellen angebracht werden, oder integrierte Quartiere in der Gebäudestruktur (z.B. Hohlräume in Dächern oder Fassaden). * Dachböden und Keller: Bei Sanierungen von Dachböden, die als Wochenstuben dienen, ist es entscheidend, einen Teilbereich ungedämmt und zugänglich zu lassen. Keller, die als Winterquartiere dienen, sollten kühl, feucht und zugangsgesichert bleiben.
Ein Gewinn für alle
Der Schutz von Fledermäusen ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch ein Gewinn für die Umwelt und oft auch für das Image Ihres Bauvorhabens. Fledermäuse sind effektive Schädlingsbekämpfer und tragen zur biologischen Vielfalt bei. Mit einem bewussten und vorausschauenden Vorgehen können Sie zeigen, dass moderne Stadtentwicklung und Artenschutz Hand in Hand gehen.
Nehmen Sie die Herausforderung an und gestalten Sie Gebäude, die nicht nur Menschen, sondern auch unseren faszinierenden geflügelten Nachbarn ein Zuhause bieten.