Die Umstellung auf klimafreundliche Heizsysteme ist eine zentrale Aufgabe der Energiewende, insbesondere im Gebäudebestand. Viele Bauherren, Sanierer und Architekten stehen dabei vor der Herausforderung, die oft hohen Investitionskosten für Wärmepumpen in Bestandsgebäuden zu managen. Axel Friedrich, bekannt als kritischer Experte aus dem Dieselskandal, präsentierte kürzlich in Berlin einen Ansatz, der diese Kosten deutlich senken kann. Seine Erkenntnisse zeigen, dass eine effiziente Wärmepumpenlösung im Altbau nicht zwangsläufig mit aufwendigen und teuren Umbauten verbunden sein muss.
Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Wärmepumpen in Altbauten nur mit einer umfassenden Dämmung oder der Installation einer Fußbodenheizung sinnvoll betrieben werden können. Friedrich widerspricht dieser Annahme vehement. Er argumentiert, dass viele ältere Gebäude bereits eine ausreichende Grunddämmung aufweisen, beispielsweise durch massive 36 cm Ziegelwände oder bereits modernisierte Fenster mit Doppelverglasung. Die eigentlichen Kostentreiber bei der Wärmepumpeninstallation sind demnach oft unnötige Maßnahmen oder die Dimensionierung von Anlagen, die weit über den tatsächlichen Bedarf hinausgehen.
Friedrichs Strategie basiert auf einer intelligenten Optimierung des bestehenden Heizsystems, bevor über teure Neuinstallationen nachgedacht wird. Der erste und entscheidende Schritt ist dabei der hydraulische Abgleich der vorhandenen Heizkörper. Diese Maßnahme sorgt dafür, dass das Heizwasser optimal und gleichmäßig in allen Heizkörpern zirkuliert. Das Ergebnis ist eine effizientere Wärmeabgabe und eine Energieeinsparung von 10 bis 15 Prozent. Die Kosten für einen professionellen hydraulischen Abgleich liegen typischerweise zwischen 1.000 und 2.000 Euro – eine vergleichsweise geringe Investition mit großer Wirkung.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Optimierung der Heizkurve. Hierbei wird die Vorlauftemperatur des Heizsystems präzise an den tatsächlichen Wärmebedarf des Gebäudes angepasst. Ziel ist es, die Vorlauftemperaturen so niedrig wie möglich zu halten, idealerweise im Bereich von 35 bis 45 Grad Celsius, anstatt der oft üblichen 55 Grad oder mehr. Niedrigere Vorlauftemperaturen sind entscheidend für die Effizienz einer Wärmepumpe, da sie den sogenannten Coefficient of Performance (COP) – das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetzter elektrischer Energie – signifikant verbessern. Eine höhere Effizienz bedeutet wiederum einen geringeren Stromverbrauch und somit niedrigere Betriebskosten.
In vielen Fällen ist es auch nicht notwendig, alle Heizkörper auszutauschen. Stattdessen kann ein gezielter Austausch einzelner Heizkörper gegen größere, für Niedertemperatursysteme geeignete Modelle ausreichend sein, um die Wärmeabgabe bei niedrigeren Vorlauftemperaturen zu gewährleisten. Der Verzicht auf eine komplette Fußbodenheizung, die mit hohen Installationskosten und baulichen Eingriffen verbunden ist, ist oft möglich und spart erhebliche Summen.
Durch diese optimierten Rahmenbedingungen können in der Regel Wärmepumpen mit geringerer Leistung eingesetzt werden. Kleinere Anlagen sind nicht nur in der Anschaffung günstiger, sondern auch einfacher zu installieren. Axel Friedrichs Berechnungen und Praxisbeispiele zeigen, dass durch diesen Ansatz die Gesamtkosten für die Installation einer Wärmepumpe im Altbau von ursprünglich 30.000 bis 40.000 Euro auf 15.000 bis 20.000 Euro halbiert werden können.
Für Bauherren, Sanierer und Architekten bedeutet dies eine enorme Entlastung und eine realistische Perspektive für die Umsetzung der Wärmewende im Bestand. Es wird deutlich, dass eine fundierte Analyse des Bestands und eine schrittweise Optimierung des Heizsystems der Schlüssel zu einer kosteneffizienten und nachhaltigen Lösung sind. Anstatt auf teure Komplettsanierungen zu setzen, empfiehlt sich ein pragmatischer Ansatz, der die Potenziale des vorhandenen Systems ausschöpft und so den Weg für eine breitere Akzeptanz und Umsetzung von Wärmepumpen im Altbau ebnet.
