Die Stadt Schweinfurt setzt ein wichtiges Zeichen für den Artenschutz in urbanen Gebieten: Sie plant die Einführung eines Nachtfahrverbots für Rasenmäh-Roboter. Diese Maßnahme zielt darauf ab, Igel, die in städtischen Gärten zunehmend ihren Lebensraum finden, vor den Gefahren durch die automatisierten Geräte zu schützen. Für Bauherren, Sanierer und Architekten in deutschen Städten bietet dieses Beispiel wertvolle Anregungen, wie sie aktiv zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können.
Igel sind nachtaktive Tiere, die in der Dämmerung und nachts auf Nahrungssuche gehen. Ihre natürliche Reaktion auf Gefahr ist es, sich zusammenzurollen, anstatt zu fliehen. Diese Verhaltensweise macht sie besonders anfällig für Rasenmäh-Roboter, die oft unbeaufsichtigt in den Abend- und Nachtstunden unterwegs sind. Die rotierenden Messer der Geräte können den Tieren schwere, oft tödliche Verletzungen zufügen. Ein Nachtfahrverbot, wie es in Schweinfurt angedacht ist, ist daher eine konkrete und effektive Schutzmaßnahme.
Doch der Schutz von Igeln und anderen Wildtieren in der Stadt geht über Verbote hinaus. Er beginnt bereits bei der Planung und Gestaltung von Grünflächen. Als Akteure im Bauwesen haben Sie die Möglichkeit, durch bewusste Entscheidungen igelfreundliche Lebensräume zu schaffen und zu erhalten.
Konkrete Maßnahmen für igelfreundliche Gärten und Grünflächen:
- Igelfreundliche Zonen einrichten: Planen Sie in Gärten und auf Freiflächen Bereiche ein, die naturnah gestaltet sind und nicht regelmäßig gemäht werden. Dazu gehören beispielsweise Ecken mit dichtem Gebüsch, Hecken oder auch einfach belassene Wildblumenwiesen. Diese bieten Igeln Verstecke, Nistplätze und ein reiches Nahrungsangebot.
- Totholz und Laubhaufen: Belassen Sie in geeigneten Bereichen Haufen von Ästen, Reisig oder Laub. Diese dienen Igeln als Unterschlupf und Überwinterungsquartier. Auch Steinhaufen können als Versteck dienen.
- Durchlässige Grundstücksgrenzen: Achten Sie darauf, dass Gärten nicht vollständig abgeriegelt sind. Kleine Durchgänge unter Zäunen oder Hecken ermöglichen Igeln, sich frei zwischen verschiedenen Gärten zu bewegen und neue Nahrungsquellen zu erschließen. Ein Spalt von etwa 10x10 cm reicht oft schon aus.
- Verzicht auf chemische Mittel: Der Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Schneckenkorn schadet nicht nur direkt den Igeln, sondern reduziert auch ihre Nahrungsgrundlage (Insekten, Schnecken, Würmer). Eine naturnahe Gartenpflege kommt der gesamten Artenvielfalt zugute.
- Bewusste Mähroboter-Nutzung: Sollten Mähroboter zum Einsatz kommen, weisen Sie Bauherren und Eigentümer darauf hin, diese ausschließlich tagsüber zu betreiben, wenn Igel weniger aktiv sind. Idealerweise sollten Bereiche, die als igelfreundliche Zonen dienen, von Mährobotern gänzlich ausgenommen werden.
- Wasserstellen: Eine flache Schale mit frischem Wasser, besonders in trockenen Perioden, kann Igeln und anderen Tieren helfen.
Die Initiative Schweinfurts zeigt, dass Städte und Gemeinden aktiv zum Artenschutz beitragen können. Indem Sie als Bauherr, Sanierer oder Architekt diese Prinzipien in Ihre Projekte integrieren, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Tierwelt und schaffen gleichzeitig attraktive, lebendige Grünräume in unseren Städten. Ein igelfreundlicher Garten ist nicht nur ein Gewinn für die Natur, sondern auch ein Zeichen für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Bauen.
