Der Igel, ein nachtaktiver Bewohner unserer Gärten und Parks, ist zunehmend in Bedrängnis geraten. Er gilt mittlerweile als „potenziell gefährdet“, ein Status, der auch die Populationen in deutschen Städten betrifft. Besonders im Mai, wenn die Paarungszeit beginnt und die Tiere verstärkt auf Nahrungssuche sind, werden die Gefahren durch den Menschen deutlich. Doch mit bewusster Planung und Gestaltung können Bauherren, Sanierer und Architekten entscheidend zum Schutz dieser Stacheltiere beitragen.
Melden hilft: Ein Beitrag zur Forschung
Um mehr über die Verbreitung und das Verhalten der Igel zu erfahren, rufen Naturschutzorganisationen wie der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) regelmäßig zur Meldung gesichteter Tiere auf. Auch tote Igel sind für die Forschung relevant. Diese sogenannten Citizen-Science-Projekte sammeln wichtige Daten, die Wissenschaftlern helfen, Rückschlüsse auf Bestandsentwicklungen und Lebensweisen zu ziehen. Eine einfache Online-Meldung kann somit einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leisten.
Lebensraum schaffen: Konkrete Maßnahmen für Ihr Projekt
Die Gestaltung von Außenanlagen und Gärten bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Igeln ein sicheres Zuhause zu bieten. Viele dieser Maßnahmen kommen gleichzeitig auch anderen Wildtieren wie Vögeln und Fledermäusen zugute:
Rasenpflege und Mähroboter
Gerade im Mai sind Igel besonders aktiv. Es empfiehlt sich, Rasenflächen in diesem Monat nicht zu kurz zu mähen oder sogar ungemähte Bereiche zu belassen. Diese schaffen Lebensraum für Wildblumen, Kräuter und Insekten, die wiederum als Nahrungsquelle für Igel, Vögel und Fledermäuse dienen. Mähroboter stellen eine erhebliche Gefahr für Igel dar, da die Tiere nachts auf Nahrungssuche sind. Ihr Einsatz sollte daher auf die Tagesstunden beschränkt werden.
Zäune und Barrieren
Engmaschige Zäune können für Igel zu unüberwindbaren Hindernissen oder sogar zu Fallen werden. Bei der Planung neuer Zäune sollte ein Abstand von mindestens zehn Zentimetern zum Boden eingehalten werden, um den Tieren ein Durchschlüpfen zu ermöglichen. Auch potenzielle Fallen wie offene Klappen oder ungesicherte Löcher sollten abgedeckt werden.
Naturnahe Gestaltung
Ein igelfreundlicher Garten ist ein naturnaher Garten. Heimische Hecken, Stauden und blühende Wiesen locken Insekten an und bieten Nahrung sowie Verstecke. Igel lieben zudem Laub- und Totholzhaufen sowie ruhige, etwas „unordentliche“ Ecken, in denen sie sich verstecken und Nester bauen können. Wer solche Haufen anlegen möchte, sollte diese vor dem Anzünden stets auf darin versteckte Tiere kontrollieren.
Gefahren vermeiden
Der Einsatz von chemischen Schädlings- und Unkrautvernichtern birgt große Risiken für Igel. Rattengift, Insektizide, Unkrautvernichter und Schneckenkorn können die Tiere direkt schädigen oder indirekt über die Nahrungskette beeinträchtigen. Der Umstieg auf biologische Alternativen ist hier der beste Weg, um die Gesundheit der Igel und die Artenvielfalt zu schützen.
Wasserversorgung
Wie alle Lebewesen benötigen auch Igel täglich frisches Trinkwasser. Ein flaches Gefäß, beispielsweise ein Blumentopfuntersetzer, das regelmäßig gereinigt und mit frischem Wasser befüllt wird, kann eine wichtige Wasserquelle darstellen. So können Sie den Igeln nicht nur helfen, sondern sie auch aus sicherer Entfernung beobachten.
Durch die Berücksichtigung dieser einfachen, aber effektiven Maßnahmen können Bauherren, Sanierer und Architekten einen entscheidenden Beitrag zum Schutz des Igels und zur Förderung der urbanen Artenvielfalt leisten. Jeder igelfreundlich gestaltete Quadratmeter zählt.
