Moderne Gartengestaltung und -pflege bietet viele Annehmlichkeiten, doch birgt sie auch Herausforderungen für die heimische Tierwelt. Insbesondere in dicht besiedelten Gebieten sind Architekten, Bauherren und Sanierer gefragt, Lösungen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Bewohner als auch dem Schutz der Natur gerecht werden. Ein aktuelles Beispiel aus Freiburg zeigt, wie Kommunen hier aktiv werden können.
Die Gefahr für nachtaktive Tiere
Mähroboter sind aus vielen Gärten nicht mehr wegzudenken. Sie sparen Zeit und Aufwand bei der Rasenpflege und ermöglichen stets einen gepflegten Rasen. Für nachtaktive Wildtiere wie den Igel stellen sie jedoch eine erhebliche Gefahr dar. Igel suchen in der Dämmerung und nachts nach Nahrung und Unterschlupf. Trifft ein Mähroboter auf einen Igel, flüchtet dieser oft nicht schnell genug, sondern rollt sich schützend zusammen. Die rotierenden Messer der Geräte können dabei schwere, oft tödliche Verletzungen verursachen. Diese Problematik betrifft nicht nur Igel, sondern potenziell auch andere kleine Wildtiere, die sich nachts im Gras aufhalten.
Freiburgs konkrete Schutzmaßnahme
Die Stadt Freiburg im Breisgau reagiert auf diese Problematik mit einem konkreten Schritt: Sie plant die Einführung eines Nachtfahrverbots für Mähroboter. Ziel ist es, den Betrieb dieser Geräte auf die Tagesstunden zu beschränken, wenn Igel und andere nachtaktive Tiere in der Regel geschützt in ihren Verstecken ruhen. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Population der Igel im Stadtgebiet zu schützen und ihr Überleben zu sichern. Es ist ein klares Signal, dass der Artenschutz auch im urbanen Raum ernst genommen wird und praktische Lösungen erfordert.
Was bedeutet das für Bauherren, Sanierer und Architekten?
Für Bauherren, Sanierer und Architekten in deutschen Städten ergeben sich aus solchen Initiativen wichtige Überlegungen und Handlungsempfehlungen:
- Planung und Beratung: Bei der Gestaltung von Außenanlagen und Gärten sollte der Artenschutz von Anfang an mitgedacht werden. Dies beinhaltet die Auswahl von standortgerechten Pflanzen, die Lebensräume und Nahrungsquellen bieten, sowie die Berücksichtigung von Rückzugsorten für Wildtiere. Beraten Sie Ihre Kunden proaktiv über die Möglichkeiten einer naturnahen Gartengestaltung.
- Geräteauswahl und -nutzung: Informieren Sie Ihre Kunden über die potenziellen Risiken bestimmter Gartengeräte für die Tierwelt. Empfehlen Sie, Mähroboter ausschließlich tagsüber zu betreiben und vor dem Einsatz den Garten auf anwesende Tiere zu prüfen. Es gibt auch Modelle, die über Sensoren verfügen, die Tiere erkennen und ausweichen können, oder solche mit feststehenden Messern, die als weniger gefährlich gelten.
- Kommunale Vorgaben: Beachten Sie, dass ähnliche Regelungen wie in Freiburg zukünftig auch in anderen Kommunen eingeführt werden könnten. Eine vorausschauende Planung, die solche Aspekte berücksichtigt, ist daher ratsam und kann zukünftige Anpassungen ersparen.
- Biodiversität fördern: Über die Mähroboter-Problematik hinaus können Sie durch naturnahe Gestaltungselemente wie Wildblumenwiesen, Totholzhaufen oder igelfreundliche Zäune aktiv zur Förderung der urbanen Biodiversität beitragen. Offene Komposthaufen oder Laubschichten bieten Igeln zudem wichtige Winterquartiere und Verstecke.
Freiburgs Initiative ist ein klares Signal für den Artenschutz im Siedlungsraum. Sie verdeutlicht, dass jeder Beitrag zählt, um die Koexistenz von Mensch und Natur in unseren Städten zu ermöglichen. Als Akteure im Bau- und Sanierungsbereich haben Sie die Möglichkeit, durch bewusste Entscheidungen und Empfehlungen einen positiven Einfluss auf den Schutz unserer heimischen Tierwelt zu nehmen.
