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Trockenmauern: Lebensräume für Zauneidechse, Wildbiene und Erdkröte

Wie naturnahe Bauelemente in urbanen Räumen Artenvielfalt fördern und gesetzliche Anforderungen erfüllen.
06. August 2026·Quelle: medienservice.sachsen.de·KI-zusammengefasst
Trockenmauern: Lebensräume für Zauneidechse, Wildbiene und Erdkröte

Trockenmauern sind seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Doch ihre Bedeutung reicht weit über ihre statische Funktion hinaus. In unseren Städten und Gemeinden entwickeln sie sich zu unverzichtbaren Biotopen, die eine Vielzahl von Tierarten beherbergen und so einen wichtigen Beitrag zum urbanen Artenschutz leisten. Für Bauherren, Sanierer und Architekten bieten sie eine konkrete Möglichkeit, ökologische Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig ästhetisch ansprechende und funktionale Strukturen zu schaffen.

Lebensraum für spezialisierte Arten

Der besondere Wert von Trockenmauern liegt in ihrer Bauweise: Sie werden ohne Mörtel errichtet, wodurch zahlreiche Spalten und Hohlräume entstehen. Diese bieten ideale Bedingungen für eine diverse Fauna und Flora. Die Steine speichern tagsüber Wärme und geben sie langsam wieder ab, was ein einzigartiges Mikroklima schafft.

  • Die Zauneidechse (Lacerta agilis): Diese geschützte Reptilienart findet in Trockenmauern optimale Lebensbedingungen. Die sonnenexponierten Steinflächen dienen ihr als beliebte Sonnenplätze, die für die Regulierung ihrer Körpertemperatur unerlässlich sind. In den zahlreichen Ritzen und Spalten finden Zauneidechsen sichere Verstecke vor Fressfeinden und Rückzugsorte für die Überwinterung. Auch zur Eiablage werden die warmen, geschützten Hohlräume genutzt.
  • Wildbienen: Viele Wildbienenarten sind auf Nistplätze angewiesen, die sie in der Natur immer seltener finden. Die Fugen und Hohlräume von Trockenmauern bieten ideale Brutkammern für solitär lebende Wildbienen. Die raue Oberfläche der Steine und die oft angrenzende Vegetation liefern zudem Pollen und Nektar als Nahrungsgrundlage.
  • Die Erdkröte (Bufo bufo): Auch die Erdkröte profitiert von den Strukturen der Trockenmauern. Sie nutzt die feuchteren, kühleren Bereiche im Inneren der Mauern als Versteck vor Hitze und Trockenheit sowie als Schutz vor Fressfeinden. Im Herbst dienen die frostgeschützten Hohlräume als Winterquartier.

Integration in Bauprojekte: Praktische Hinweise

Die bewusste Integration von Trockenmauern in städtische Bau- und Sanierungsprojekte ist ein Gewinn für Mensch und Natur. Hierbei gilt es, einige Aspekte zu beachten:

  1. Materialwahl: Bevorzugen Sie regionale Natursteine. Diese fügen sich nicht nur harmonisch in die Umgebung ein, sondern sind auch oft ökologisch vorteilhafter in der Beschaffung.
  2. Standort und Ausrichtung: Eine sonnenexponierte Lage, idealerweise nach Süden ausgerichtet, maximiert den ökologischen Nutzen für wärmeliebende Arten wie die Zauneidechse. Achten Sie auf eine gute Drainage, um Staunässe zu vermeiden.
  3. Struktur und Vielfalt: Planen Sie bewusst unterschiedlich große Steine und lassen Sie ausreichend Fugen und Hohlräume. Eine abwechslungsreiche Struktur erhöht die Attraktivität für verschiedene Arten. Eine Kombination mit standortgerechter Bepflanzung, etwa mit trockenheitsresistenten Kräutern und Gräsern, steigert den ökologischen Wert zusätzlich.
  4. Rechtliche Aspekte: Der Schutz vieler Arten, die Trockenmauern besiedeln, ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Die Schaffung oder der Erhalt solcher Strukturen kann dazu beitragen, Konflikte bei Bauvorhaben zu vermeiden oder sogar als Ausgleichsmaßnahme anerkannt zu werden. Eine frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden ist empfehlenswert.

Fazit

Trockenmauern sind mehr als nur historische Bauelemente. Sie sind lebendige Biotope, die in unseren Städten dringend benötigte Rückzugsorte für die heimische Tierwelt bieten. Durch ihre bewusste Planung und Errichtung können Bauherren, Sanierer und Architekten aktiv zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen und gleichzeitig nachhaltige, ästhetisch wertvolle und zukunftsfähige Bauwerke schaffen. Sie sind ein Beispiel dafür, wie sich Naturschutz und moderne Stadtentwicklung sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Quelle
medienservice.sachsen.de · Original lesen ↗
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