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Erdkröte

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Wandert im März zu Laichgewässern, Kellerschächte sind tödliche Fallen

Besonders geschütztAmphibien
Erdkröte
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Die Erdkröte ist Deutschlands häufigste Krötenart und für die meisten Menschen der erste Frühlingsbote unter den Amphibien. Sobald die Nachttemperaturen Ende Februar steigen, beginnt die berühmte Krötenwanderung: Tausende Tiere ziehen aus ihren Winterquartieren in Wäldern, Feldgehölzen und Gärten zurück zu den Laichgewässern, in denen sie selbst einst geschlüpft sind. Männchen klammern sich dabei oft schon unterwegs an Weibchen — der berühmte Tandem-Auftritt am Straßenrand. Im Wasser werden meterlange Laichschnüre an Wasserpflanzen abgelegt. Den Sommer verbringen Erdkröten dann an Land, oft kilometerweit vom Laichgewässer entfernt, in Stein- und Holzhaufen, unter Treppen und in Komposten. Genau diese Trennung von Sommer- und Winterlebensraum macht sie so verletzlich gegenüber Bauvorhaben.

Art-Atlas

Was Sie über den Erdkröte wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber Versteck unter Steinen, in Erdhöhlen, unter Wurzeltellern oder in Mauerspalten. Wanderdistanzen zwischen Sommerlebensraum und Laichgewässer bis zu 2 km. Standorttreu — Tiere kehren über Jahre zum gleichen Laichplatz zurück.

Nahrung

Nachts erbeutete Insekten, Spinnen, Asseln, Regenwürmer, Nacktschnecken, Tausendfüßer. Eine ausgewachsene Erdkröte vertilgt pro Sommer mehrere tausend Beutetiere und ist damit ein wertvoller natürlicher Schädlingsregulator im Garten.

Verbreitung in Deutschland

In ganz Deutschland flächendeckend verbreitet, fehlt nur auf einigen Nordseeinseln und in den höchsten Alpenlagen über 2.000 m. Trotz weiter Verbreitung sind die Bestände durch Straßenverkehr und Lebensraumverlust regional stark rückläufig.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Trockenlegung oder Verfüllung von Gartenteichen
  • Lichtschächte ohne Ausstiegshilfen
  • Kellertreppen als tödliche Fallen
  • Versiegelung des Sommerlebensraums
  • Straßenbau ohne Amphibienleitanlage
  • Zerstörung von Stein- und Holzhaufen während der Wanderzeit

Optimales Bauzeitfenster

November bis Mitte Februar — die Kröten sind im Winterquartier und nicht auf Wanderung. Laichgewässer und ihre Uferzonen sind ganzjährig tabu, da Kaulquappen bis in den Sommer hinein im Wasser sind.

Anzeichen am Gebäude

Kröten in Lichtschächten, Kellereingängen, Garagen oder Tiefgaragenrampen — meist auf Wanderung gefangen und nicht selbst herausgelangt. Im Sommer Funde unter Holzstapeln, Komposten, Steinplatten oder hinter Regentonnen. Frische Laichschnüre in Gartenteichen ab Ende März.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Erhalt oder Neuanlage strukturreicher Sommerlebensräume mit Stein-, Holz- und Reisighaufen, Trockenmauern und Lesesteinriegeln im Umkreis von 1 km zum Laichgewässer. Schaffung oder Sicherung sonnenexponierter, fischfreier Laichgewässer mit Flachwasserzonen. Sicherung der Wanderkorridore durch dauerhafte Krötenleitanlagen oder bauzeitliche Schutzzäune. Lichtschächte mit Krötenausstiegshilfen ausstatten, Kellertreppen mit Aufstiegshilfen versehen.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Stein- oder Lesesteinriegel
dauerhaftes Tagesversteck und Winterquartier in einem

Lockere Aufschichtung von Bruchsteinen oder Feldsteinen mit vielen Hohlräumen, mind. 1 m breit, sonnenexponiert mit schattiger Rückseite

Reisig- und Totholzhaufen
feuchtkühles Tagesversteck im Sommer

Locker geschichteter Haufen aus Ästen und Reisig auf bodenfeuchtem Untergrund, halbschattig, mind. 1,5 m Durchmesser

Krötenkeller / Frostschutz-Höhle
frostfreie Überwinterung gesichert

Eingegrabene Holz- oder Steinkonstruktion mind. 60 cm tief, mit lockerer Laub- und Erdfüllung, kleinem Zugang nach Norden

Folien- oder Lehmteich
sicherer Reproduktionsort

Mind. 50 m² Wasserfläche, 80 cm tief in der Mitte, mit Flachwasserzonen, sonnig, fischfrei, ohne Springbrunnen oder Filter

Maße

Steinriegel mind. 1 × 0,5 × 0,5 m. Krötenkeller mind. 60 × 60 × 40 cm. Laichgewässer mind. 50 m², Tiefe 80 cm in der Mitte, Flachwasserzonen flacher als 30 cm.

Platzierung

Sommerlebensraum-Strukturen im Umkreis von max. 1 km zum Laichgewässer. Steinriegel sonnig mit schattiger Rückseite, Reisighaufen halbschattig. Wanderkorridor sichern: keine durchgehenden Bordsteinkanten höher als 5 cm, keine geschlossenen Zäune ohne Durchgänge.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Erdkröte-Brutplatz gelöst wurden

Stuttgart-Vaihingen· 2023

Lichtschachtgitter mit Aufstiegshilfen

Ausgangslage

Bei einem Wohnungsneubau wurden in den ersten Wochen nach Bezug regelmäßig tote oder erschöpfte Erdkröten in den Lichtschächten gefunden, da das Gebäude im Wanderkorridor zwischen Hangwald und Bachaue lag.

Maßnahme

Nachrüstung aller 18 Lichtschächte mit feinmaschigen Edelstahlgittern und integrierten Aufstiegsrampen aus rauer Faserzement-Platte.

Ergebnis

In der folgenden Wandersaison wurden nur noch zwei statt vorher rund 40 verirrte Tiere gemeldet, alle konnten lebend geborgen werden.

Lehre

Lichtschächte sind in Wanderkorridoren ohne Ausstiegshilfen tödliche Fallen — die Nachrüstung ist günstig und hochwirksam.

Vollständige Dokumentation →
Garmisch-Partenkirchen· 2022

Sommerlebensraum im Wohnpark

Ausgangslage

In einer neu erstellten Reihenhaussiedlung war der angrenzende Folienteich vorhanden, aber die offene Rasenfläche bot kein einziges Tagesversteck.

Maßnahme

Anlage von drei Lesesteinriegeln und zwei Totholzhaufen entlang der Grundstücksgrenze, ergänzt durch eine 8 m² große Wildkrautfläche.

Ergebnis

Im zweiten Jahr nach Anlage wurden in den Strukturen über 20 adulte Erdkröten dokumentiert, die Reproduktion im Teich stieg deutlich.

Lehre

Ohne strukturreichen Landlebensraum nützt das beste Laichgewässer wenig — beides muss zusammen gedacht werden.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Erdkröte in deutschen Großstädten lebt

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