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Kleine Hufeisennase

Rhinolophus hipposideros

Stark gefährdet, nur noch in Bayern und BaWü, extrem empfindlich

Streng geschütztRote Liste DE: 2Fledermäuse
Kleine Hufeisennase
(c) Leonardo Ancillotto, some rights reserved (CC BY)

Die Kleine Hufeisennase ist eine der seltensten und am stärksten bedrohten Fledermausarten Deutschlands — der Bestand brach im 20. Jahrhundert um über 90 % ein und gilt heute als „vom Aussterben bedroht" (Rote Liste Kategorie 1). Aktuell überleben nur noch wenige hundert Tiere, hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg. Wochenstuben finden sich in warmen Dachstühlen alter Gebäude — Klöster, Schlösser, Bauernhäuser. Die Art ist hoch sensibel und reagiert auf Veränderungen in Quartierwärme, Beleuchtung und Holzschutzmittel mit sofortigen Quartier-Aufgaben. FFH-Richtlinie Anhang II + IV — höchster Schutzstatus. Bei Sanierungen mit Bezug zur Kleinen Hufeisennase ist eine artenschutzrechtliche Ausnahmeprüfung mit Spezialisten-Gutachten zwingend erforderlich.

Art-Atlas

Was Sie über den Kleine Hufeisennase wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Standfledermaus, sehr ortstreu — Sommer- und Winterquartier oft nur wenige Kilometer auseinander. Wochenstuben Mai-September in heißen, dunklen Dachstühlen (28-35°C). Eine Geburt pro Jahr. Frei hängend an Balken oder Decken — typische „Hufeisen-Position". Winterquartiere in feuchten Höhlen, Stollen, Kellern.

Nahrung

Kleinste Insekten — Mücken, kleine Nachtfalter. Charakteristische Echoortung mit Konstantfrequenz-Rufen um 110 kHz, sehr hoch und reichweitenarm — Jagd in dichter Vegetation in Bodennähe.

Verbreitung in Deutschland

Heute fast ausschließlich Süddeutschland (Bayern, BW), kleinere Vorkommen in Hessen, Rheinland-Pfalz. Wenige hundert Tiere, Rote Liste 1.

Relevante Gebäudestrukturen

Die Kleine Hufeisennase nutzt als Verstecke und Wochenstuben bevorzugt Dachböden, Kirchendachstühle, Gewölbekeller, Stollen und Höhlen. Sie benötigt Spalten und Hohlräume hinter Verkleidungen oder in Mauerritzen, aber auch freie Hängeplätze an Holzbalken in warmen Dachbereichen.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Dachstuhl-Sanierung
  • Holzschutz-Behandlung
  • Beleuchtung im Dachstuhl
  • Wärme-Verlust durch Dämmung
  • Verschluss Einflug-Öffnung
  • Klimaveränderung

Optimales Bauzeitfenster

November bis März — bei Befund extrem restriktive Auflagen. Sanierungen oft nur unter Spezialisten-Begleitung möglich.

Anzeichen am Gebäude

Sehr leise, nur erfahrene Beobachter erkennen Quartiere. Kotspuren auf Dachboden — sehr kleine, glänzende Pellets. Frei hängende Tiere in tiefen, warmen Dachräumen.

Bestand & Trend

Die Kleine Hufeisennase ist in Deutschland als '2 stark gefährdet' eingestuft. Der Bestand ist nach einem starken Rückgang im 20. Jahrhundert stabil, aber auf sehr niedrigem Niveau. Hauptursache war der Verlust geeigneter Quartiere und Insektennahrung durch Pestizideinsatz.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Bei Befund: artenschutzrechtliche Ausnahmeprüfung mit Spezialgutachten. Strenger Erhalt der Quartier-Bedingungen (Wärme, Dunkelheit, Permethrin-Frei). Bei Eingriffen erlaubt nur Bauzeitfenster Oktober-März, Holzschutz ausschließlich Borsalz-Lösungen, KEINE Beleuchtung im Dachstuhl, freier Einflug erhalten. Verlust einer Wochenstube ist kaum kompensierbar — Erhalt hat absolute Priorität.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Erhalt warmer Dachstuhl
Einzige funktionale Lösung

Dachstuhl-Wochenstuben sind nicht ersetzbar. Erhalt: Temperatur 28-35°C im Sommer, vollständige Dunkelheit, Borsalz-Holzschutz, freier Einflug min. 30x30 cm.

Klimakontrolle bei Sanierung
Verhindert Quartierverlust durch Veränderung

Bei Dämmungsmaßnahmen: prüfen ob Dachstuhl-Klima erhalten bleibt. Zu starke Dämmung kann Quartiere zerstören durch Auskühlung.

Winterquartier in Stollen / Höhle
Komplementär — beide Quartiertypen erforderlich

Frostfreie, feuchte Höhlen oder Stollen mit gesichertem Einflug — bei Bergbau-Sanierungen Erhalt prüfen.

Spezialisten-Begleitung
Pflicht bei dieser Art

Jeder Eingriff erfordert Begleitung durch zertifizierten Hufeisennasen-Spezialisten — Listen bei Koordinationsstellen Fledermausschutz der Länder.

Maße

Dachstuhl-Volumen min. 50 m³, Temperatur 28-35°C im Sommer, freier Einflug min. 30x30 cm. Winterquartier-Temperatur 5-10°C, Luftfeuchte über 90 %.

Platzierung

Dachstühle alter Gebäude in Süd- bis Süd-West-Lage mit Wärmespeicherung durch Mauerwerk. Im Umfeld bis 5 km strukturreiche Kulturlandschaft mit Hecken, Streuobst, lichten Wäldern.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Kleine Hufeisennase-Brutplatz gelöst wurden

Hohenzollerische Alb· seit 1980er

Letzte deutsche Wochenstuben — intensives Schutzmanagement

Ausgangslage

In Hohenzollerischer Alb (BW) befinden sich die wichtigsten verbliebenen Wochenstuben Deutschlands. Verluste in den 1960er-1980er Jahren durch DDT und Holzschutzmittel.

Maßnahme

LIFE-Projekte und Naturschutzbund haben mit Klöstern und Privateigentümern langfristige Erhaltungsverträge geschlossen — keine Beleuchtung, kein Permethrin, freier Einflug.

Ergebnis

Bestand stabilisiert, lokale Wiederbesiedelung ehemaliger Quartiere. Aber: Bestand bleibt extrem klein und vulnerabel.

Lehre

Hufeisennasenschutz ist Generationen-Verpflichtung — einmalige Maßnahmen reichen nicht, dauerhaftes Quartier-Management ist erforderlich.

Vollständige Dokumentation →
Bayern· LIFE-Projekt

Internationales LIFE-Hufeisennasen-Projekt

Ausgangslage

Bayern, Tschechien, Österreich kooperieren zum Erhalt der grenzüberschreitenden Hufeisennasen-Population.

Maßnahme

Quartier-Sicherung in 50+ historischen Gebäuden, Habitat-Aufwertung in Streuobst und lichten Wäldern.

Ergebnis

Stabilisierung der Bestände in mehreren Hotspots der Tschechischen Grenzregion und Süd-Bayern.

Lehre

Internationaler Schutz funktioniert — Population ist nicht durch Landesgrenzen begrenzt.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Kleine Hufeisennase in deutschen Großstädten lebt

Top-10 Städte (≥100.000 Einwohner) im Verbreitungsgebiet. Klicken Sie auf eine Stadt für lokale Pflichten, Förderungen und passende Lösungen.

Atlas-Blog

Atlas-Beiträge zum Kleine Hufeisennase

Hintergrund-Artikel und Praxis-Hinweise zum Kleine Hufeisennase.

Alle Beiträge →
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