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Atlas·Arten·Amphibien

Gelbbauchunke

Bombina variegata

Stark gefährdet, spezialisiert auf Kleinstgewässer

Streng geschütztRote Liste DE: 2Amphibien
Gelbbauchunke
(c) Kostas Zontanos, some rights reserved (CC BY)

Die Gelbbauchunke gehört zu den am stärksten geschützten Amphibien Deutschlands — sie ist nach FFH-Richtlinie Anhang II und IV gelistet, was bedeutet, dass nicht nur die Tiere, sondern auch ihre Lebensräume rechtlich besonders streng zu schützen sind. Die wenige Zentimeter kleine Unke ist eine echte Pionierart und besiedelt das, was sonst niemand will: Fahrspurrinnen in Wäldern, Pfützen auf Lehmwegen, frisch ausgeworfene Erdkuhlen, Vernässungen im Steinbruch. Genau diese flachen, sich rasch erwärmenden Kleinstgewässer sind Reproduktionsstätten — und genau sie verschwinden bei Bauvorhaben am schnellsten. Charakteristisch ist die leuchtend gelb-schwarz gemusterte Bauchseite, die bei Gefahr durch die typische Kahnstellung gezeigt wird. In Deutschland leben nur noch isolierte Populationen, vor allem in Süddeutschland und im Mittelgebirgsraum. Bei Bauvorhaben in besiedelten Gebieten ist eine artenschutzrechtliche Ausnahmeprüfung praktisch immer erforderlich.

Art-Atlas

Was Sie über den Gelbbauchunke wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Tagaktiv, sonnt sich gern an der Wasseroberfläche oder am Ufer flacher Tümpel. Sehr ortstreu, lebt in metapopulationsartigen Komplexen aus mehreren Klein- und Kleinstgewässern. Wandert nur kurze Distanzen — meist unter 500 m zwischen Sommer-, Laich- und Winterquartier.

Nahrung

Wasser- und Landinsekten, kleine Käfer, Mücken, Larven, Würmer, Spinnen — überwiegend an oder im Wasser erbeutet. Kaulquappen ernähren sich filtrierend von Algen und Detritus.

Verbreitung in Deutschland

In Deutschland nur noch reliktartig: Schwerpunkte im Schwäbisch-Fränkischen Wald, in der Schwäbischen Alb, im Hessischen Bergland, im Bayerischen Wald sowie in Teilen Sachsens und Thüringens. In Norddeutschland fehlt die Art weitgehend.

Relevante Gebäudestrukturen

Die Gelbbauchunke nutzt temporäre Kleingewässer wie Pfützen, Fahrspuren, Gräben oder wassergefüllte Senken. Für die Landlebensräume sind sonnenexponierte Bereiche mit Totholz, Steinhaufen, Trockenmauern und Erdhöhlen wichtig. Auch vegetationsarme Uferbereiche und offene Bodenstellen werden genutzt.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Verfüllung von Fahrspurpfützen
  • Wegebau mit Befestigung
  • Forstliche Erschließung
  • Steinbruch-Rekultivierung mit Verfüllung
  • Versiegelung lehmiger Offenflächen
  • Drainage feuchter Senken

Optimales Bauzeitfenster

November bis Anfang März außerhalb der Aktivitätszeit. Innerhalb von 500 m zu bekannten Vorkommen sind Eingriffe in der Regel nur nach artenschutzrechtlicher Ausnahmeprüfung mit umfangreichen CEF-Maßnahmen zulässig.

Anzeichen am Gebäude

Charakteristischer melodischer Ruf der Männchen ab Mai — ein wiederholtes Uuh-uuh-uuh, hohl und glockenartig. Funde adulter Tiere in Fahrspuren von Forstwegen, in Pfützen am Wegrand, in lehmigen Vernässungen. In nassen Sommern Reproduktion auch in Baustellen-Pfützen.

Bestand & Trend

Rote Liste Deutschland: 2 (stark gefährdet). Der Bestand ist stark rückläufig. Hauptursache ist der Verlust und die Zerstörung ihrer dynamischen, temporären Kleingewässer und der angrenzenden Landlebensräume durch Intensivierung der Landnutzung.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Anlage von Pioniergewässer-Komplexen mit mindestens 5 bis 10 Klein- und Kleinstgewässern unterschiedlicher Größe und Tiefe in unmittelbarer Nähe zum Eingriffsbereich. Substrat lehmig oder lehmig-sandig, Tiefe 5 bis 50 cm, vegetationsarm, voll besonnt. Anlage muss mindestens zwei Jahre vor Eingriff erfolgen, damit Funktionsfähigkeit nachgewiesen werden kann. Pflegekonzept mit periodischer Räumung alle 3 bis 5 Jahre. Anlage muss durch artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung gedeckt sein.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Pioniertümpel-Komplex
Hauptlebensraum für Reproduktion

Komplex aus 5–10 lehmigen Kleinstgewässern unterschiedlicher Größe (1–20 m²) und Tiefe (5–50 cm), voll besonnt, vegetationsarm, ohne Fischbesatz, durch Wegebau oder Holzrückung temporär neu entstanden

Folientümpel mit Lehmschlag
dauerhaftere Alternative bei kompaktem Untergrund

Mit EPDM-Folie ausgekleidete Mulde, anschließend mit lehmig-sandigem Substrat verfüllt, 10 bis 50 cm tief, voll besonnt, mit flach auslaufenden Ufern

Lesesteinriegel und Wurzelteller
Tagesversteck mit feuchtem Mikroklima

Locker geschichtete Lesesteine oder umgekippte Wurzelteller in unmittelbarer Tümpelnähe, halbschattig, immer feucht

Frostfreier Erdspalt
Überwinterung auch in kühlen Lagen

Frostfreie Eingrabe-Spalte in lehmigem Boden, mind. 60 cm tief, oft unter Wurzeltellern oder Steinpackungen, dauerhaft erhalten

Maße

Tümpel je 1–20 m², Tiefe 5–50 cm, mehrere im Komplex. Lesesteinriegel mind. 1 × 0,5 × 0,5 m. Pufferzone um Komplex mind. 100 m vegetationsarm.

Platzierung

Tümpelkomplexe in unmittelbarer Nähe zueinander, max. 100 m Abstand zwischen einzelnen Gewässern. Voll besonnt, keine Beschattung. Sommerquartier-Strukturen direkt am Tümpelrand.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Gelbbauchunke-Brutplatz gelöst wurden

Schwäbisch-Fränkischer Wald· 2022

Vorab-CEF-Fläche für Forststraßenausbau

Ausgangslage

Geplanter Ausbau einer Forstwirtschaftsstraße führte durch ein dokumentiertes Gelbbauchunken-Vorkommen mit etwa 30 adulten Tieren entlang der bestehenden Fahrspuren.

Maßnahme

Zwei Jahre vor Eingriff Anlage einer 0,3 ha großen CEF-Fläche mit 8 lehmigen Pioniertümpeln und Lesesteinstrukturen, 200 m entfernt. Monitoring nach FFH-Anhang IV durch Fachgutachter.

Ergebnis

Reproduktionsnachweis in der Ausgleichsfläche bereits im Folgejahr, Verlagerung der Hauptpopulation gelang, Eingriff konnte genehmigt werden.

Lehre

Bei Anhang-IV-Arten ist der zeitliche Vorlauf der CEF entscheidend — ohne Funktionsnachweis vor Eingriff keine Ausnahmegenehmigung.

Vollständige Dokumentation →
Hessisches Bergland· 2024

Steinbruch-Rekultivierung statt Verfüllung

Ausgangslage

Auflassung eines kleinen Basaltsteinbruchs mit Genehmigungsauflage zur Verfüllung — gleichzeitig kartiertes Vorkommen mit etwa 50 Gelbbauchunken in den Sumpenbereichen.

Maßnahme

Umplanung des Rekultivierungskonzepts: keine Verfüllung, sondern Pflege der bestehenden Mulden, Anlage von 4 zusätzlichen Pioniertümpeln, Sicherung als FFH-Trittsteinbiotop mit Pflegevertrag.

Ergebnis

Bestand stabilisiert, Steinbruch wurde Bestandteil des FFH-Gebiets-Managementplans, Bauherr erhielt Eingriffsfreistellung als Ausgleichsleistung.

Lehre

Stillgelegte Gruben und Steinbrüche sind oft die wertvollsten Habitate — Erhalt vor Verfüllung lohnt sich auch wirtschaftlich.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Gelbbauchunke in deutschen Großstädten lebt

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