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Braunes Langohr

Plecotus auritus

Sehr große Ohren, hört Insektengeräusche, flüchtet in Spalten

Streng geschütztRote Liste DE: VFledermäuse
Braunes Langohr
(c) Óscar Sampedro, some rights reserved (CC BY)

Das Braune Langohr ist mit seinen markanten, fast körperlangen Ohren eine der unverwechselbarsten heimischen Fledermausarten. Es ist ein Spezialist auf langsame, wendige Jagd in dichter Vegetation — Obstgärten, Streuobstwiesen, lichte Laubwälder und Parkanlagen. Wochenstuben finden sich häufig in Dachstühlen alter Häuser, Kirchen und Scheunen, oft in kleinerer Gruppengröße als das Große Mausohr (10-50 Tiere). Im Sommerquartier hängt das Braune Langohr frei oder in kleinen Spaltenstrukturen. Streng geschützt nach FFH-Richtlinie Anhang IV. Bei Sanierungen mit Dachstuhl-Bezug ist die Art entsprechend früh in die artenschutzrechtliche Prüfung einzubeziehen.

Art-Atlas

Was Sie über den Braunes Langohr wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Standfledermaus mit Wanderungen unter 50 km. Wochenstuben Mai-September, oft im selben Dachstuhl über viele Jahre. Eine Geburt pro Jahr (Juni), 1 Junges. Männchen einzeln. Winterquartiere ab Oktober in Höhlen, Stollen, Kellern. Lebenserwartung 10-15 Jahre.

Nahrung

Spezialist auf Spinnentiere und nachtaktive Insekten, die direkt von Vegetationsoberflächen abgelesen werden — sogenannter Gleaner. Beutetiere: Nachtfalter, Eulenfalter, Tipuliden, gelegentlich Webspinnen. Jagdflug langsam und wendig direkt zwischen Ästen und an Baumkronen.

Verbreitung in Deutschland

Bundesweit verbreitet, häufig in Streuobstgebieten und altholzreichen Laubwäldern. Schwerpunkte in Süd- und Mitteldeutschland. Stabile Bestände, FFH IV.

Relevante Gebäudestrukturen

Das Braune Langohr nutzt Dachböden, Hohlräume hinter Verkleidungen, Spalten in Holzkonstruktionen, Mauerritzen und Traufbereiche von Gebäuden. Auch Baumhöhlen und Spalten hinter loser Baumrinde dienen als Quartiere.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Dachsanierung
  • Holzschutz mit Permethrin
  • Streuobstrodung
  • Höhlenbaum-Fällung
  • Verschluss Dachstuhl-Öffnungen
  • Beleuchtung Dachstuhl

Optimales Bauzeitfenster

November bis März (außerhalb Wochenstubenzeit Mai-September).

Anzeichen am Gebäude

Kothaufen am Boden unter Dachboden- oder Scheunenbalken — meist kleinere Pellets als beim Großen Mausohr. Im Sommer freihängende Tiere oder kleine Gruppen an Balken sichtbar. Geräuschloser Ausflug ab spätem Dämmerungs-Zeitpunkt.

Bestand & Trend

Das Braune Langohr steht in Deutschland auf der Roten Liste in der Kategorie 'V Vorwarnliste'. Der Bestand gilt als stabil, jedoch sind Quartierverluste durch Sanierungen und der Rückgang großer Insektenbestände Hauptursachen für potenzielle Gefährdungen.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Erhalt von Dachstuhl-Wochenstuben mit den gleichen Auflagen wie beim Großen Mausohr. Permethrin-freier Holzschutz Pflicht. Bei Sommerquartier-Verlust: Anbringung von Spaltenkästen und Großraum-Fledermauskästen. Erhalt alter Höhlenbäume in Streuobst und Wäldern essentiell — die Art nutzt sowohl Gebäude als auch Baumhöhlen.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Dachstuhl-Erhalt
Beste Lösung für Wochenstuben

Identisch zur Großes-Mausohr-Strategie: dunkler, warmer Dachboden mit freiem Einflug erhalten.

Großraum-Fledermauskasten
Sekundäre Lösung

Holzkasten ca. 40 x 25 x 60 cm mit innerer Hangstruktur, an Süd-Fassade in 4-5 m Höhe.

Erhalt höhlenreicher Bäume
Naturnah, Mehrwert für andere Arten

Alte Buchen, Eichen, Obstbäume mit Spechthöhlen — wichtig in Streuobst und Wäldern.

Künstliches Rindenquartier
Ergänzend an Bäumen

Spezialkasten der Rinde nachempfunden, an Baumstamm in 3-4 m Höhe — Männchen-Quartiere.

Maße

Großraum-Kasten 40 x 25 x 60 cm. Spaltenkasten Tiefe 2-3 cm. Einflugschlitz von unten min. 1,5 x 10 cm.

Platzierung

Identisch zu anderen Spalten- und Großraum-Kästen — Süd bis Südwest, in 3-5 m Höhe, freier Anflug, im Umfeld Streuobst oder lichter Wald als Jagdhabitat.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Braunes Langohr-Brutplatz gelöst wurden

Hessen· laufend

Streuobstprogramm Wochenstuben in alten Höfen

Ausgangslage

Bei Sanierungen alter Bauernhöfe in Mittelhessen wurden Dachstühle umgebaut zu Wohnzwecken — Wochenstuben Brauner Langohren ohne Auffinden zerstört.

Maßnahme

Hessen-Forst und NABU haben Erfassungs-Pflicht vor Sanierungen in Streuobst-Lagen etabliert. Bei Befund Bauauflage zur Bauzeitfenster-Einhaltung und Ersatzquartier-Schaffung.

Ergebnis

In begleiteten Hofsanierungen Erhalt der Wochenstuben. Ohne Begleitung weiterhin schleichende Verluste.

Lehre

Erfassung VOR Sanierungsbeginn ist alleinentscheidend — nachträgliche Maßnahmen retten keine Wochenstube.

Vollständige Dokumentation →
Bayern· laufend

LBV Höhlenbaum-Kartierung in Streuobst

Ausgangslage

Brauner Langohr nutzt parallel Gebäude und Höhlenbäume — bei Verlust eines Quartiertyps weicht er aus, was räumliche Distanzen vergrößert.

Maßnahme

Systematische Kartierung höhlenreicher Streuobstbäume und Markierung für Erhalt bei Pflegemaßnahmen.

Ergebnis

Höhlenbäume werden bei Streuobstpflege bevorzugt erhalten — Quartier-Verbund stabilisiert.

Lehre

Höhlenbäume in Streuobstwiesen sind unterschätzte Fledermaus-Habitate.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Braunes Langohr in deutschen Großstädten lebt

Top-12 Städte (≥100.000 Einwohner) im Verbreitungsgebiet. Klicken Sie auf eine Stadt für lokale Pflichten, Förderungen und passende Lösungen.

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