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Atlas·Arten·Säugetiere

Feldhase

Lepus europaeus

Bestand stark rückläufig, Gartenränder wichtiger Rückzugsraum

Besonders geschütztRote Liste DE: 3Säugetiere
Feldhase
(c) Grete Pasch, some rights reserved (CC BY)

Der Feldhase ist eine der ikonischsten Arten der mitteleuropäischen Kulturlandschaft — und gleichzeitig ein dramatischer Verlierer der industriellen Landwirtschaft. Auf der Roten Liste Deutschlands wird er als gefährdet geführt, in Bayern und Baden-Württemberg sogar als stark gefährdet. Seit den 1970er Jahren sind die Bestände vielerorts um über 80 Prozent eingebrochen. Hauptursachen: das Verschwinden strukturreicher Feldraine und Hecken, die Anlage großer Schläge, die mehrfache Mahd in der Setzzeit, der Pestizideinsatz und vor allem der Verlust krautreicher Säume. Anders als das Kaninchen gräbt der Feldhase keine Baue, sondern legt sich tagsüber in flache Mulden (Sassen) — meist im Schutz von Hecken oder Hochstaudensäumen. Junge Hasen werden voll behaart und sehend in einer Sasse abgelegt und nur wenige Minuten täglich von der Häsin gesäugt. Genau dieses Verhalten macht sie extrem verletzlich gegenüber Mahdarbeiten, Mährobotern und freilaufenden Hunden. Bei Bauvorhaben am Stadtrand oder im Außenbereich ist die Art besonders geschützt nach Bundesartenschutzverordnung und planungsrelevant.

Art-Atlas

Was Sie über den Feldhase wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Hauptaktivität in der Dämmerung und Nacht, tagsüber bewegungslos in der Sasse — einer flachen Mulde unter Vegetation, oft im offenen Acker oder am Saum. Lebt einzelgängerisch, paart sich in der berühmten Märzhasenzeit mit ausgiebigen Boxkämpfen und Verfolgungen. Reviergröße 20 bis 40 ha. Lebenserwartung in der Natur 1 bis 3 Jahre, in Schutzgebieten länger.

Nahrung

Reiner Pflanzenfresser: Gräser, Kräuter, junge Triebe, Wildkräuter, im Winter Rinde und Knospen. Besonders wichtig sind krautreiche Säume mit Wildblumen wie Klee, Schafgarbe, Wegerich und Brennnessel — sie liefern in der Aufzuchtzeit die nötigen Mineralstoffe.

Verbreitung in Deutschland

In ganz Deutschland verbreitet, aber überall im Rückgang. Bessere Bestände noch in Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Niedersachsen), in Brandenburg sowie in Mosaiklandschaften der Mittelgebirge. Sehr schlechte Bestände in den intensiv genutzten Ackerlandschaften Süddeutschlands.

Relevante Gebäudestrukturen

Der Feldhase nutzt keine Gebäude- oder Gartenstrukturen im engeren Sinne. Er bevorzugt offene Landschaften mit Hecken, Feldrainen und Brachflächen. Als Verstecke dienen ihm Mulden im Ackerland (Sasse), dichte Vegetation und gelegentlich auch unterholzreiche Waldränder.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Bebauung von Außenbereich-Ackerflächen
  • Beseitigung von Feldrainen und Hecken
  • Mahd in der Setzzeit
  • Großflächige Pestizideinsätze
  • Flurbereinigung mit Schlag-Vergrößerung
  • Anlage durchgehender Zäune ohne Hasenpassagen
  • Freilaufende Hunde im Außenbereich

Optimales Bauzeitfenster

Nur Mitte Oktober bis Anfang Januar zwischen Hauptaufzucht (März–September) und der nächsten Setzzeit ab Februar. Erdarbeiten und Geländeveränderungen im Außenbereich sollten zwingend in dieses Fenster gelegt werden.

Anzeichen am Gebäude

Feldhasen meiden Gebäudenähe und sind reine Außenbereichs-Art. Hinweise sind Trittsiegel auf Acker- und Feldwegen (charakteristisch lange Hinterläufe), losgelegte Sassen am Hangfuß oder unter Hecken, runde Köttel von ca. 1 cm Größe. Direktbeobachtung in der Dämmerung am Feldrand. Frische Mahd-Opfer (verletzte oder tote Junghasen) sind ein klares Indiz für Vorkommen.

Bestand & Trend

Der Feldhase ist in Deutschland als '3 gefährdet' eingestuft. Der Bestand ist seit Jahrzehnten rückläufig. Hauptursache ist der Verlust und die Zerstörung seiner Lebensräume durch intensive Landwirtschaft und Zerschneidung der Landschaft.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Erhalt und Neuanlage strukturreicher Säume mit Wildkräutern, Hecken, Feldgehölzen und Brachstreifen entlang der Schlaggrenzen. Sicherung von mehrjährigen Blühflächen mit mind. 6 m Breite. Anlage von Blühstreifen-Korridoren zwischen Restpopulationen. Verzicht auf Mahd in der Setzzeit März bis Juli, alternative Mosaikmahd mit max. 30 % Mahdfläche pro Termin. Pestizidverzicht in Saum- und Heckenstrukturen.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Krautreicher Saum / Blühstreifen
Sasse, Nahrung und Versteck in einem

Mehrjähriger Wildkrautstreifen mit mind. 30 Arten, Breite mind. 6 m, Mosaikmahd alle 2–3 Jahre auf max. 30 % Fläche, mit Flecken aus Klee, Doldenblütlern und Gräsern

Strukturierte Wildhecke
Tagesquartier und Schutz vor Wetter

Mehrschichtige Hecke aus heimischen Sträuchern mit dichtem Krautsaum, mind. 50 m lang und 3 m breit, mit Übergangszone zum Acker

Blühstreifen-Vernetzung
sichert Reviergröße und genetischen Austausch

Lückenloser Blühstreifen-Korridor von mind. 3 m Breite zwischen Schlägen, Hecken und Restpopulationen, mit jährlich wechselnder Mahd der Hälfte

Brachfläche / Buntbrache
wichtigster Setzplatz im Außenbereich

Mehrjährige Buntbrache mit selbstgesäter Vegetation, mind. 0,2 ha, ohne Düngung und Pestizide, mit jährlich wechselnder Pflegemahd auf Teilfläche

Maße

Krautsaum mind. 6 m breit. Hecke mind. 50 m × 3 m. Buntbrache mind. 0,2 ha. Korridor zwischen Strukturen mind. 3 m Breite, lückenlos.

Platzierung

Säume und Blühstreifen entlang aller Schlaggrenzen, Wege und Gewässer. Vernetzung in der Landschaft mit Abständen unter 200 m zwischen Strukturen. Buntbrachen bevorzugt an Hangfüßen oder Schlag-Ecken.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Feldhase-Brutplatz gelöst wurden

Schleswig-Holstein Oldenburg· 2023

Blühstreifen-Programm verdoppelt Hasenbestand

Ausgangslage

In einer intensiv genutzten Ackerlandschaft war der Feldhase auf etwa 4 Tiere pro 100 ha zurückgegangen. Eine Bauleitplanung erforderte CEF-Maßnahmen für die Art.

Maßnahme

Anlage von 12 km mehrjährigen Blühstreifen entlang der Schlaggrenzen, ergänzt durch 4 Buntbrachen mit je 0,5 ha. Pflegevertrag mit den Landwirten über 10 Jahre, mit Mahdverbot März bis Juli.

Ergebnis

Bei systematischer Erfassung 3 Jahre nach Anlage Bestand auf 9 Tiere pro 100 ha gestiegen — Verdopplung gelungen. Auch Rebhuhn und Kiebitz profitierten messbar.

Lehre

Strukturreiche Säume sind die effektivste CEF-Maßnahme für Feldhasen — und sie wirken auch für Begleitarten.

Vollständige Dokumentation →
Niederrhein· 2022

Mosaikmahd statt Großmahd

Ausgangslage

Auf einer 12 ha großen Mähwiese wurden in der Setzzeit regelmäßig Junghasen ausgemäht — der Pächter wollte das ändern, brauchte aber ein praktikables Konzept.

Maßnahme

Umstellung auf Mosaikmahd: max. 30 % der Fläche pro Mahdtermin, Restflächen erst 4 Wochen später. Erste Mahd nicht vor Mitte Juli, Hasen-Such-Hund vor jeder Mahd, Ausnahme von Saumstreifen.

Ergebnis

In der Folgesaison kein dokumentierter Hasenausfall mehr durch Mahd, Heuqualität blieb akzeptabel — der Pächter hat das Verfahren auf weiteren Flächen übernommen.

Lehre

Mosaikmahd ist agrartechnisch machbar und reduziert Mahdverluste fast vollständig — eine simple Verhaltensänderung mit großer Wirkung.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Feldhase in deutschen Großstädten lebt

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