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Grünspecht

Picus viridis

Streng geschützt, nutzt Ameisenhügel, liebt Streuobst

Streng geschütztGartenvögel
Grünspecht
(c) Andrea Poggi, some rights reserved (CC BY)

Der Grünspecht ist mit seinem leuchtend olivgrünen Rücken, dem hellgelb-grünen Bürzel und der charakteristischen knallroten Kappe einer der auffälligsten Spechte Deutschlands. Anders als die meisten Spechtarten trommelt er kaum — sein Markenzeichen ist das laute, lachende Reviergefälle (kjak-kjak-kjak), das ihm den volkstümlichen Namen Erdspecht eingetragen hat. Ungewöhnlich für einen Specht ist auch seine Spezialisierung auf Ameisen — bis zu 90 Prozent seiner Nahrung besteht aus Wiesenameisen, die er in extensiv genutzten Wiesen, Streuobstbeständen und Parkrasen gräbt. Diese Spezialisierung macht ihn zur typischen Indikatorart strukturreicher halboffener Kulturlandschaften. Als Höhlenbrüter zimmert er seine Bruthöhle in altes Hartholz alter Bäume, oft Eiche, Buche, Birke, Erle oder Obstbäume. Die Art ist nach Bundesartenschutzverordnung streng geschützt — ihre Bruthöhlen sind ganzjährig zu sichern. Bei Bauvorhaben in Streuobst- und Hartholzbeständen ist der Grünspecht prioritär artenschutzrechtlich zu prüfen.

Art-Atlas

Was Sie über den Grünspecht wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Tagaktiv. Reviergröße 50 bis 200 ha — sehr groß für einen Spechtvogel. Brütet einmal pro Saison von Mitte April bis Anfang Juli. Höhlen werden in altes Hartholz gezimmert, oft mehrere Höhlen pro Revier — auch im Winter Ruhehöhlen. Standortreu, kein Zugvogel.

Nahrung

Spezialisiert auf Wiesenameisen — bis zu 90 Prozent der Nahrung. Frisst sowohl adulte Tiere als auch Larven und Puppen aus geöffneten Bauten. Im Winter ergänzend Insekten und Larven aus morschem Holz. Trägt Junge oft mit großen Mengen Ameisen aus Baumstamm-Spalten und offenem Boden zu.

Verbreitung in Deutschland

In ganz Deutschland verbreitet, Schwerpunkte in strukturreichen halboffenen Landschaften: Streuobstbestände, lichte Eichen- und Buchenwälder, Parkanlagen, Mosaiklandschaften mit Wiesen und Feldgehölzen. Klimawandel-Profiteur — Bestände tendenziell stabil bis leicht steigend.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Beseitigung alter Hartholz-Bäume
  • Verlust extensiver Streuobstbestände
  • Pestizideinsatz auf Wiesen mit Ameisen-Vorkommen
  • Versiegelung von Magerrasen
  • Frühe Wiesenmahd vor Juli
  • Forstliche Räumung Höhlenbäume
  • Sanierung historischer Parks ohne Höhlenbaum-Erhalt

Optimales Bauzeitfenster

Oktober bis Mitte März außerhalb der Brutzeit. Aber Bruthöhlen-Bäume sind ganzjährig zu sichern, da sie traditionell über Jahre genutzt und auch als Schlafhöhlen im Winter verwendet werden.

Anzeichen am Gebäude

Lautes lachendes Reviergefälle (kjak-kjak-kjak) ab März, weithin hörbar. Charakteristische runde Spechthöhlen ab 6 cm Durchmesser im alten Hartholz, oft in alten Eichen, Buchen, Birken oder Streuobstbäumen. Erdgrabungen in Wiesen mit Ameisennestern als unverkennbare Fraßspuren. Ameisennester mit aufgekratzten Eingängen.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Erhalt aller Höhlenbäume in Streuobst-, Hartholz- und Parkbeständen — Eichen, Buchen, Birken, Erlen, alte Obstbäume. Erhalt der extensiven Wiesennutzung mit Wiesenameisen-Vorkommen — Verzicht auf Pestizide, späte Mahd, Erhalt von Magerrasenstrukturen. Aufhängen großer Spechtnistkästen mit Hartholz-Front nur als Notlösung — Grünspecht zimmert lieber selbst. Sicherung der Vernetzung von Streuobstbeständen, Parks und Waldrändern.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Höhlenbaum-Erhalt
optimaler natürlicher Lebensraum

Erhalt mind. eines Höhlenbaums (Eiche, Buche, Birke, Erle, alter Obstbaum) pro 5 ha Bestandsfläche, mit Spechthöhlen ab 6 cm Eingangsbreite, dauerhaft als Habitatbaum gesichert

Extensive Wiese mit Wiesenameisen
Hauptnahrungsgrundlage

Mind. 0,5 ha große extensive Wiese ohne Pestizid- oder Düngereinsatz, erste Mahd nicht vor Anfang Juli, mit Magerrasen-Anteil von mind. 20 Prozent für Wiesenameisen-Bestand

Streuobstbestand
kombiniert Höhlenbäume und Nahrungsfläche

Streuobstbestand mit Hochstämmen, mind. 20 Bäume mit deutlich altersgestaffeltem Bestand, extensive Wiesennutzung, Pflegeschnitt mit Erhalt von Höhlenstrukturen

Spechtnistkasten Hartholz-Front
Notfall-Ersatz, nur wenn keine Höhlenbäume

Großer Holzkasten mit Hartholz-Front zum Selbstaushöhlen, Innenmaß 20 × 20 × 50 cm, Front aus Eichenholz mind. 4 cm dick mit vorgebohrtem Pilotloch — Annahme aber unsicher

Maße

Höhlenbaum-Eingang ab 6 cm. Wiese mind. 0,5 ha, erste Mahd ab Juli. Streuobstbestand mind. 20 Bäume. Spechtnistkasten 20 × 20 × 50 cm.

Platzierung

Höhlenbäume in lichtem Bestand, sonnig oder halbschattig, mit Wiesenameisen-Vorkommen im Umkreis 200 m. Streuobstbestände in Vernetzung mit benachbarten Beständen, max. 500 m Lücken. Spechtnistkasten in 6 bis 10 m Höhe.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Grünspecht-Brutplatz gelöst wurden

Schwäbische Alb· 2023

Streuobst-Aufwertung als Spechtbiotop

Ausgangslage

Auf einer 4 ha Streuobstwiese mit Grünspecht-Vorkommen war der Bestand stark überaltert mit nur noch 35 von ursprünglich 90 Bäumen. Jüngerer Nachwuchs fehlte, Höhlenbäume waren standsicherheitsgefährdet.

Maßnahme

Pflegeschnitt aller alten Bäume mit Erhalt der Höhlenstrukturen, Pflanzung von 50 jungen Hochstämmen als Nachfolge-Generation, Wiesenmahd auf Anfang Juli verschoben, Verzicht auf Düngung. Pflegevertrag mit Naturschutzverband über 25 Jahre.

Ergebnis

Im 3. Jahr nach Maßnahme stieg die Grünspecht-Reproduktion von 1 auf 3 Brutpaare, weitere Spechtarten und Insektenarten profitieren.

Lehre

Streuobst ist ohne aktive Verjüngung nicht dauerhaft — der Erhalt der Höhlenbäume erfordert eine Generationen-Strategie.

Vollständige Dokumentation →
Berlin-Tiergarten· 2022

Höhlenbaum im Stadtpark

Ausgangslage

Im Tiergarten sollte eine alte Eiche aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden. Eine Höhlenbaum-Inspektion wies eine besetzte Grünspechthöhle nach.

Maßnahme

Statt Fällung Einsatz von Stahlseilkrönung und stützenden Stahlträgern, dauerhafte Sicherung über 25 Jahre. Markierung als Habitatbaum mit Plakette. Pflegeschnitt mit Erhalt der Höhle.

Ergebnis

Eiche bleibt erhalten, Grünspecht-Reproduktion fortgesetzt, im Folgejahr Reproduktion bestätigt.

Lehre

Habitatbäume mit Höhlen sind auch in der Stadt mit moderner Sicherungstechnik erhaltbar — Fällung ist meist nicht alternativlos.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Grünspecht in deutschen Großstädten lebt

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