Die Hornisse ist Deutschlands größte heimische Wespe — und wahrscheinlich das Insekt, um das sich die meisten Mythen ranken. Der berühmte Spruch sieben Hornissenstiche töten ein Pferd ist medizinisch unhaltbar: Hornissengift ist nicht stärker, sondern sogar schwächer als das einer Honigbiene, nur die Stiche schmerzen wegen der Stichgröße intensiver. Tatsächlich sind Hornissen ausgesprochen friedfertig, scheuen den Menschen und stechen nur bei Nestnähe oder direkter Bedrohung. Trotzdem werden ihre Nester immer noch routinemäßig zerstört — was nach Bundesartenschutzverordnung verboten ist. Die Hornisse ist besonders geschützt, ihr Nest und Ersatznistplatz dürfen ohne behördliche Ausnahmegenehmigung weder beseitigt noch zugemauert werden. Wer ein Hornissennest am Haus findet, muss einen Hornissenberater einschalten — der prüft, ob das Nest verbleiben kann (in 9 von 10 Fällen ja) oder umgesiedelt werden muss. Ein Hornissenstaat löst sich Ende Oktober ohnehin von selbst auf, weil nur die jungen Königinnen überwintern.
Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.
Tag- und dämmerungsaktiv, einziges nachts fliegendes Insekt unter den heimischen Wespen — daher oft an erleuchteten Fenstern. Lebt in einjährigen Staaten von 100 bis 700 Tieren. Nest entsteht ab Mai durch eine einzelne überwinterte Königin, wächst bis September, löst sich Ende Oktober auf. Junge Königinnen überwintern einzeln in Holzspalten und Baumlöchern.
Erwachsene fressen Baumsäfte, Obstsaft und Nektar. Larven werden mit erbeuteten Insekten gefüttert: Wespen anderer Arten, Fliegen, Heuschrecken, Schmetterlinge — eine einzige Hornisse vertilgt pro Tag bis zu 500 Insekten. Damit sind Hornissen wertvolle natürliche Schädlingsregulatoren, vor allem gegenüber lästigen Wespenarten.
In ganz Deutschland verbreitet, häufiger im Süden und in Mischwaldgebieten. Bestände nach Bestandstief der 1970er Jahre wieder im Aufbau. Bevorzugt Bauwerke und Höhlenbäume in Waldnähe oder in strukturreichen Siedlungsgebieten.
Hornissen nutzen für ihre Nester geschützte Hohlräume wie Baumhöhlen, Spechthöhlen, aber auch Dachböden, Rollladenkästen und Gartenhäuser. Auch Komposthaufen oder Erdlöcher können besiedelt werden. Für Bauplaner relevant sind Dachüberstände, Hohlräume hinter Verkleidungen und ungenutzte Schuppen.
November bis Anfang April — Nester sind dann bereits aufgelöst, nur einzelne überwinternde Königinnen sind in Holzspalten zu finden. Bei Sanierung in Aktivitätszeit ist Hornissenberatung Pflicht.
Tiefes Brummen am Dach, an Mauerspalten oder in Höhlenbäumen ab Juni. Sichtbare Ein- und Ausflugbewegungen am Nesteingang in regelmäßigen Abständen. An Lichtschächten und Fenstern auch nachts fliegende Tiere. Frische Hornissen-Königinnen im April auf der Suche nach Nistplätzen oft an Hauswänden patrouillierend.
Die Hornisse ist in Deutschland nicht auf der Roten Liste geführt (—). Ihr Bestand gilt als stabil, teils sogar leicht zunehmend. Die Art profitiert von Schutzmaßnahmen und der Akzeptanz in der Bevölkerung.
Erhalt vorhandener Nester durch Belassen am Standort wann immer möglich. Aufhängen von Hornissennistkästen als Ersatzquartier in mind. 50 m Entfernung zu Aufenthaltsorten. Bei zwingender Umsiedlung nur durch zertifizierte Hornissenberater mit Ausnahmegenehmigung. Erhalt von Höhlenbäumen, alten Schuppen, Dachstühlen und Mauerspalten als natürliche Nistmöglichkeiten. Verzicht auf Insektizide im Wirkungsbereich.
Holzkasten 50 × 30 × 30 cm mit Eingangsspalt von ca. 3 cm Breite und 8 cm Höhe an der Vorderseite, im Inneren rauer Holzbelag für Wabenanbau, abnehmbarer Boden zur Reinigung im Winter
Erhalt mind. eines Höhlenbaums (Eiche, Buche, Pappel, Esche) pro 0,5 ha mit Spechthöhlen oder Faulhöhlen, Eingang mind. 4 cm Durchmesser, in Waldnähe
Erhalt alter Schuppen, Stallungen oder Scheunen mit Dachstuhl und Mauerspalten von 4–8 cm Breite, ungestörte Lage, südlich oder südöstlich exponiert
Locker geschichteter Holzhaufen oder Astwerk mit tiefen Spalten in Bodennähe, oder ein Insektenhotel-Modul mit Hartholz-Bohrungen 12–15 mm — auch alte Holzgartenmöbel werden gern angenommen
Nistkasten 50 × 30 × 30 cm, Einflugspalt 3 × 8 cm. Mind. 1 Höhlenbaum pro 0,5 ha. Mauerspalten 4–8 cm Breite, mind. 30 cm Tiefe.
Hornissennistkasten in 4 bis 6 m Höhe an Hauswand, Stamm oder Mast, Einflug nach Süden bis Südosten, vor Regen geschützt, ungestört. Mind. 50 m Abstand zu intensiv genutzten Aufenthaltsorten.
Eine Familie entdeckte Mitte Juni ein Hornissennest in einer Mauerspalte direkt über dem Hauseingang, etwa 2,5 m Höhe. Die Anwohner waren zunächst alarmiert und wollten das Nest entfernen lassen.
Hornissenberater des NABU kam vor Ort, beriet die Familie über das tatsächliche Risiko (sehr gering, da Nest knapp neben statt direkt über Eingang), montierte einen unauffälligen Sichtschutz aus Bambusmatte zur Beruhigung, regelmäßige Kontrolle.
Nest blieb bis zur natürlichen Auflösung Mitte Oktober bestehen, kein einziger Stichvorfall. Die Familie hat im Folgejahr selbst einen Nistkasten 6 m entfernt aufgehängt — Nest wurde 2024 dort errichtet.
Hornissennester am Haus sind in den meisten Fällen ungefährlich — Aufklärung schlägt Bekämpfung.
In einem Kindergarten-Geräteschuppen wurde ein Hornissennest entdeckt. Der Kindergarten war auf den Schuppen angewiesen, eine Sperrung des Bereichs für 5 Monate war nicht möglich.
Antrag auf Ausnahmegenehmigung bei der Naturschutzbehörde, Umsiedlung durch Hornissenberater mit Spezialkasten in der Dämmerung, Aufstellen des Kastens in 80 m Entfernung im benachbarten Waldsaum, Lockfutter für 3 Tage.
Über 90 % der Tiere zogen in den umgesiedelten Kasten, Restpopulation orientierte sich neu. Der Kindergarten konnte wieder normal genutzt werden.
Umsiedlung ist möglich und genehmigungsfähig — sie braucht aber zertifizierte Berater und behördliche Freigabe, kein Selbstgemachtes.
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Hintergrund-Artikel und Praxis-Hinweise zum Hornisse.
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