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Mauersegler

Apus apus

Langstreckenzieher, fast ganzes Leben im Flug, kehrt jahrelang zur selben Nistnische zurück

Besonders geschütztRote Liste DE: VorwarnlisteGebäudebrüter
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Mauersegler
(c) Константин Селивёрстов, some rights reserved (CC BY)

Der Mauersegler ist ein hochspezialisierter Flugjäger, der fast sein gesamtes Leben in der Luft verbringt — Schlaf, Paarung und Nahrungsaufnahme finden im Flug statt. Ursprünglich brütete er in Felsnischen und Baumhöhlen, heute ist er fast vollständig Kulturfolger und nistet überwiegend an mehrstöckigen Gebäuden in dicht bebauten Stadtgebieten. Nach Afrika ziehend, ist er nur von April bis August bei uns anzutreffen. Seine extreme Brutplatztreue macht ihn besonders verletzlich bei Sanierungen — verlorene Brutplätze werden von den zurückkehrenden Vögeln wochenlang erfolglos angeflogen.

Art-Atlas

Was Sie über den Mauersegler wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Langstreckenzieher zwischen afrikanischem Winterquartier und europäischem Brutgebiet. Koloniebrüter mit ausgeprägter Treue zum angestammten Nistplatz. Paare bleiben oft lebenslang zusammen und kehren jahrelang in dieselbe Nische zurück. Die nur knapp 18 cm großen Vögel erreichen im Sturzflug über 110 km/h.

Nahrung

Ausschließlich fliegende Insekten und driftende Spinnen ("Luftplankton"). Je nach Wetterlage werden Nahrungsgebiete in Entfernungen von bis zu mehreren hundert Kilometern vom Brutplatz aufgesucht. Bei schlechtem Wetter können die Vögel weit ausweichen, um Nahrung zu finden.

Verbreitung in Deutschland

Deutschlandweit in Städten und Dörfern verbreitet, Schwerpunkt in mehrstöckigen Wohngebieten und Stadtkernen mit historischer Bausubstanz. Bevorzugt werden Gebäude in Zonen mit freiem Anflug (keine engen Straßenschluchten mit Hindernissen).

Relevante Gebäudestrukturen

Horizontale, meist dunkle Hohlräume mit kleiner Einflugöffnung: unter Dachziegeln, in der Traufkonstruktion, in Fassadennischen, unter Dachvorsprüngen, in Jalousie- und Rollladenkästen sowie in Mauerspalten. Im Gebäudeinneren werden auch Dachstühle von Kirchen und Wohngebäuden genutzt, wo Nester auf Balken oder in Nischen angelegt werden.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Dachsanierung
  • Fassadendämmung
  • Abriss

Optimales Bauzeitfenster

Oktober bis März. Von April bis September (Anwesenheitszeit in Deutschland) sind Baumaßnahmen an Brutplätzen grundsätzlich unzulässig, es sei denn, eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde liegt vor und CEF-Maßnahmen sind umgesetzt.

Anzeichen am Gebäude

Schnelle Rufe "srieh srieh", kreisende Schwärme ab Mai, schmale Einflugöffnungen ohne Kotspuren

Bestand & Trend

Bestandsrückgang seit Jahrzehnten, auf baden-württembergischer Vorwarnliste geführt. Hauptursachen sind der Verlust von Brutplätzen durch energetische Gebäudesanierung, Abriss älterer Gebäude mit offenen Hohlräumen und die Versiegelung ursprünglich zugänglicher Spalten und Öffnungen durch moderne Bauweise.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Integriertes Quartier
Von außen unauffällig, kostengünstig, in Fassade, Dämmung oder Attika integrierbar

Der Brutraum wird direkt in die Hauskonstruktion eingebaut, von außen ist nur das Anflugloch sichtbar. Architektonisch unauffällig und oft günstiger als Aufputzlösungen. Erfordert genaue Planung zur Vermeidung von Wärmebrücken.

Traufkasten-Integration
Ideal bei Sanierungen mit vorhandenem Traufkasten, einfach anzufertigen

Im vorhandenen Traufkasten werden durch Stellbretter einzelne Bruträume abgeteilt und durch Einflugöffnungen zugänglich gemacht. Praxiserprobte Lösung bei Sanierungen historischer Gebäude.

Niststein in Fassade/Attika
Bewährte Industrielösung, präzise Maße, thermisch geprüft

Industriell gefertigte Niststeine (z.B. Schwegler) werden ganz oder teilweise in Fassade oder Dämmung integriert. Verschiedene Varianten verfügbar: mit vergrößertem Brutraum, Einflug von unten, integrierter Starensperre.

Aufputz-Nistkasten
Einfach nachzurüsten, keine baulichen Eingriffe nötig, schnell installiert

Handelsüblicher oder selbst gebauter Nistkasten wird unter Dachvorsprung oder auf der Fassade angebracht. Tiere fliegen nicht ins Haus ein, keine Wärmebrücken.

Maße

Innenmaße mindestens 16–18 cm Höhe, 30–35 cm Breite, 16–22 cm Tiefe. Einflugloch oval: 35 mm hoch × 65–75 mm breit, seitlich zum Brutraum angeordnet, Einflug auch von unten möglich. Unterkante des Einflugs nicht höher als 3 cm über dem Kastenboden. Abstand zwischen Einfluglöchern mindestens 1 m.

Platzierung

Anbringung an Nord- und Ostseiten hoher Gebäude, nicht auf der Wetterseite (Überhitzung des Brutraums vermeiden). Mindestens 5 m Abstand zum Boden. Keine Vorsprünge unter dem Nistkasten — das Einflugloch muss die exponierteste Stelle sein. Freier Anflug ohne hohe Bäume davor.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Mauersegler-Brutplatz gelöst wurden

Stuttgart· 2018–2019

Gebäudesanierung in Stuttgart mit 32 neuen Brutplätzen

Ausgangslage

Bei Gerüstbauarbeiten wurden brütende Mauersegler zwischen Dachbalken festgestellt. 16 mögliche Brutplätze, davon 9 besetzt.

Maßnahme

Die UNB stoppte die Arbeiten bis zum Ende der Brutzeit. Für die Sanierung wurden Sonderbauteile vom Schreiner gefertigt: Doppel-Nistkästen mit zwei seitlichen Zugängen pro Nistraum (oben fassadenseitig, unten fassadenfern), um identische Einflugsituation zur ursprünglichen herzustellen.

Ergebnis

12 Doppelkästen bis zur Brutzeit 2019 installiert, 9 sofort besetzt. Weitere 4 Doppelkästen nach der Brutzeit — insgesamt 32 Brutplätze verfügbar.

Lehre

Die hohe Brutplatztreue erfordert möglichst identische Einflugsituation in derselben räumlichen Konstellation.

Vollständige Dokumentation →
Tübingen· ab 2011

Kasernensanierung im Französischen Viertel Tübingen

Ausgangslage

Nach Sanierungswelle seit den 1980ern brüteten nur noch ca. 20 Brutpaare an einem einzigen Gebäude. Zuvor war versucht worden, Nistkästen abseits der alten Brutplätze anzubringen — erfolglos, weil Mauersegler ihrer alten Stelle treu bleiben.

Maßnahme

In Zusammenarbeit mit Architekt und Handwerksbetrieb wurden Ersatzbrutstätten direkt in den vorhandenen Traufkasten integriert. Stellbretter trennen einzelne Bruträume ab, Einflugöffnungen liegen in unmittelbarer Nähe der ursprünglichen Löcher.

Ergebnis

Fast 60 Nistplätze in den Traufkästen allein an diesem Gebäude. 2014 bereits 15 Brutpaare, Tendenz steigend. Insgesamt 138 neue Brutplätze im gesamten Französischen Viertel.

Lehre

Frühzeitige Planung während der Entwurfsphase macht Ersatzbrutplätze kostengünstig und ohne Mehraufwand möglich. Die ursprüngliche Einflugposition ist entscheidend.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Mauersegler in deutschen Großstädten lebt

Top-12 Städte (≥100.000 Einwohner) im Verbreitungsgebiet. Klicken Sie auf eine Stadt für lokale Pflichten, Förderungen und passende Lösungen.

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