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Schlingnatter

Coronella austriaca

Selten, streng geschützt, fast unsichtbar

Streng geschütztRote Liste DE: 3Reptilien
Schlingnatter
(c) Conrad Altmann, some rights reserved (CC BY)

Die Schlingnatter (auch Glattnatter) ist die seltenste heimische Schlange und steht auf der Roten Liste Deutschland (Kategorie 3 - gefährdet). Sie ist nach FFH-Richtlinie Anhang IV streng geschützt. Wie die Ringelnatter ist sie nicht giftig und harmlos für Menschen — der Name kommt von ihrer Methode, Beute durch Umschlingen zu töten. Sie besiedelt sehr ähnliche Habitate wie die Zauneidechse — sonnige Trockenstandorte mit Steinhaufen, Trockenmauern, Bahndämmen und Lesesteinen. Sie ist damit bei genau den gleichen Bauvorhaben betroffen. Da Schlingnattern oft mit Eidechsen vergesellschaftet sind und ähnliche Habitatansprüche haben, profitieren sie von Zauneidechsen-CEF-Maßnahmen häufig automatisch — bei nachgewiesenem Vorkommen jedoch eigene Erfassung und ggf. spezielle Auflagen erforderlich.

Art-Atlas

Was Sie über den Schlingnatter wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Tagaktiv April-September, sehr versteckt lebend. Winterruhe in frostfreien Erdverstecken. Lebendgebärend (3-15 Junge im August/September). Hohe Ortstreue, Aktionsraum oft nur wenige hundert Quadratmeter. Lebenserwartung 10-20 Jahre.

Nahrung

Spezialist auf Eidechsen, kleine Schlangen, Mäuse, gelegentlich Vogeljunge. Bekanntes Beute-Verhalten: Würgen durch Umschlingen.

Verbreitung in Deutschland

Bundesweit, aber durchgehend lokal begrenzt. Schwerpunkte in Trockenrasen, Heiden, Sand- und Kiesgruben, Bahndämmen. Rote Liste Deutschland 3 (gefährdet), FFH IV.

Relevante Gebäudestrukturen

Die Schlingnatter nutzt gerne sonnenexponierte Strukturen wie Trockenmauern, Steinhaufen, Totholzansammlungen, Felsspalten und ungenutzte Erdlöcher. Diese dienen als Verstecke, Sonnenplätze und Jagdgebiete. Auch unter größeren Steinplatten oder in locker aufgeschichteten Holzstapeln findet man sie.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Erschließung Baugebiete
  • Bahndamm-Sanierung
  • Sand-/Kiesgruben-Renaturierung
  • Heideflächen-Bebauung
  • Trockenmauer-Sanierung
  • Brachflächen-Umnutzung

Optimales Bauzeitfenster

November bis März.

Anzeichen am Gebäude

Sehr versteckt — Sichtungen oft Zufall. Häutungs-Reste zwischen Steinen oder unter Brettern. Keine charakteristischen Spuren am Gebäude. Sonnenbäder am Steinhaufen, blitzschnelle Flucht bei Annäherung.

Bestand & Trend

Die Schlingnatter ist in Deutschland als "3 gefährdet" eingestuft. Der Bestand ist rückläufig, genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln. Hauptursache ist der Verlust und die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Intensivierung der Landnutzung und Zerschneidung von Biotopen.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

CEF-Maßnahmen analog zur Zauneidechse — Schlingnattern profitieren in der Regel von Eidechsen-CEF-Habitaten. Spezifisch wichtig: dichte Steinhaufen mit tiefen Hohlräumen für Versteck, Eiablage entfällt (lebendgebärend). Bei nachgewiesenem Vorkommen Bestandskontrolle bei Fang-Wiederfang-Aktionen — Schlingnattern sind sehr versteckt und werden oft übersehen.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Großer Steinhaufen mit Hohlräumen
Multifunktional für Eidechsen + Schlangen

Lockerer Lesesteinhaufen 2-5 m³ mit großen Steinen für tiefe Hohlräume — Schlingnattern brauchen größere Versteck-Hohlräume als Eidechsen.

Trockenmauer mit Spaltenstruktur
Klassischer Schlingnattern-Lebensraum

Trockenmauer min. 1 m hoch, mit tiefen Hohlräumen — bevorzugte Versteck- und Sonnenbade-Stellen.

Schlangenburg
Spezialisiert

Konstruktion aus Erdaushub mit Stein- und Holzstrukturen. Mehrere tiefe Versteck-Eingänge. Mind. 3 x 3 x 1 m, Süd-Exposition.

Erhalt offener Heideflächen
Naturnahes Habitat

Bei Renaturierung von Heidegebieten: Erhalt der offenen Bereiche durch Pflege (Schafbeweidung, Maatchen) — Schlingnattern brauchen lückige Vegetation und sonnige Bodenstellen.

Maße

Steinhaufen min. 2-5 m³, mit Hohlräumen 5-15 cm Durchmesser. Trockenmauer min. 1 m hoch. Schlangenburg min. 3 x 3 x 1 m.

Platzierung

Süd- bis Süd-West-Exposition, vegetationsarmer Boden mit lockerer Krautschicht. Im Umfeld Eidechsen-Vorkommen (Beute). Mindestens 30 m Abstand zu intensiv genutzten Wegen.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Schlingnatter-Brutplatz gelöst wurden

Lüneburger Heide· laufend

Schlingnattern-Schutz im Heide-Programm

Ausgangslage

In der Lüneburger Heide ist die Schlingnatter eine Charakterart, deren Bestand durch Verbuschung und Aufforstung rückläufig war.

Maßnahme

Heide-Pflegeprogramm mit Schäferei und gezieltem Maatchen erhält offene Strukturen. Trockenmauern und Steinhaufen werden gezielt angelegt.

Ergebnis

Bestand stabilisiert sich in gepflegten Heideabschnitten, nimmt in unbewirtschafteten weiter ab.

Lehre

Schlingnatternschutz ist Heideschutz — ohne offene Strukturen kein Bestand.

Vollständige Dokumentation →
Bayerische Bahndämme· laufend

Schlingnattern auf stillgelegten Bahndämmen

Ausgangslage

Auf stillgelegten Bahnstrecken in Bayern entwickeln sich oft hervorragende Schlingnattern-Habitate — bei Reaktivierung als Radwege werden diese gefährdet.

Maßnahme

Bayerischer Naturschutzfonds finanziert Erhalt einzelner Bahndamm-Abschnitte als Schutzgebiete, mit Schotter-Pflege und Steinhaufen-Anlage.

Ergebnis

Lokale Stabilisierung, einzelne neue Vorkommen.

Lehre

Stillgelegte Bahnstrecken sind unterschätzte Reptilien-Habitate.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Schlingnatter in deutschen Großstädten lebt

Top-12 Städte (≥100.000 Einwohner) im Verbreitungsgebiet. Klicken Sie auf eine Stadt für lokale Pflichten, Förderungen und passende Lösungen.

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