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Siebenschläfer

Glis glis

Winterschläft 7 Monate, laut aber schützenswert

Besonders geschütztSäugetiere
Siebenschläfer
(c) Michael J. Papay, some rights reserved (CC BY)

Der Siebenschläfer ist Deutschlands berühmtester Langschläfer — sein Winterschlaf dauert mit etwa 7 Monaten von Oktober bis Mai zu den längsten unter den heimischen Säugetieren. Mit seinem grauen Fell, den großen schwarzen Augen und dem buschigen Schwanz wirkt er wie eine Mischung aus Eichhörnchen und Maus. Tatsächlich gehört er zu den Bilchen (Schlafmäusen). Sein Lebensraum sind alte Laubmischwälder mit reichem Höhlenbestand, aber er bezieht auch sehr gerne Dachstühle, Holzschuppen und Gartenhäuser — dort kann er als Untermieter erhebliche Geräuschkulisse verursachen, da er in der Nacht durch Trittgeräusche und Quietschlaute auffällig wird. Der Siebenschläfer ist nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und nicht selten Gegenstand von Konflikten bei Dachsanierungen. Wer einen Siebenschläfer im Dachstuhl hat, darf weder fangen noch das Quartier zerstören — die einzige korrekte Lösung ist, die Sanierung in das Aktivitätsfenster Mai bis September zu legen und alternative Quartiere anzubieten.

Art-Atlas

Was Sie über den Siebenschläfer wissen müssen

Lebensweise, betroffene Bauvorhaben, optimale Bauzeitfenster und konkrete Schutzmaßnahmen — verifiziert aus Fachliteratur und Praxis.

Lebensweise

Streng nachtaktiv, exzellenter Kletterer mit langen Sohlen und greifenden Pfoten. Aktivitätszeit nur Mai bis September, danach 7 Monate Winterschlaf in frostfreien Erdhöhlen, Mauerspalten oder Dachstühlen. Lebt einzelgängerisch außerhalb der Paarungszeit. Lebenserwartung in der Natur bis 9 Jahre — sehr lang für ein Nagetier dieser Größe.

Nahrung

Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse, Walnüsse, im Frühling Knospen und junge Triebe, im Sommer Beeren und Kirschen. Gelegentlich Insekten, Vogeleier und sogar Jungvögel. Reproduktion ist eng an Bucheckern- und Eichelmasten gekoppelt: in mastreichen Jahren stark, in Mastlücken praktisch keine.

Verbreitung in Deutschland

In Deutschland verbreitet im Süden und in der Mitte (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Sachsen, Rheinland-Pfalz). In Norddeutschland fehlt die Art weitgehend. Bevorzugt alte Buchen-, Eichen- und Mischwälder, oft auch in Streuobstbeständen.

Bau-Risiko

Bauvorhaben mit Konflikt-Risiko

  • Dachsanierung im Winterhalbjahr
  • Verschluss von Mauerspalten und Dachstuhl-Zugängen
  • Baumfällung in Quartierbäumen
  • Versiegelung von Holzschuppen
  • Beseitigung alter Streuobstbestände
  • Lichtmasten ohne Vermeidung von Falleneffekten

Optimales Bauzeitfenster

Oktober bis Anfang Mai — während des Winterschlafs sind die Tiere zwar präsent, aber unbeweglich, was Eingriffe besonders heikel macht. Das einzige sichere Fenster für Dachsanierungen ist Juni bis Anfang August zwischen Aufwachen und Geburt der Jungen.

Anzeichen am Gebäude

Trittgeräusche im Dachstuhl ab Mai, oft mit charakteristischem Quietschen oder Maunzen. Bohrspuren an Holznüssen mit klar parallelen Nagezahn-Abdrücken. Kleine schwarze, zigarettenförmige Köttel auf Dachboden oder hinter Verkleidungen. Frische Pinienzapfen-Strünke unter Nadelbäumen. Quartiernester aus zerbissenem Dämmmaterial oder Heu im Dachstuhl.

CEF-Maßnahmen & Nisthilfen

Strategie

Erhalt alter Mischbaumbestände mit Höhlenbäumen (Eichen, Buchen) und Streuobstbeständen mit reifen Bäumen. Bei Dachsanierungen Aufhängen von Siebenschläfer-Kobel-Nistkästen oder Holzhaufen mit Höhlen in unmittelbarer Nähe (max. 50 m) als Ersatzquartier. Erhalt von Mauerspalten und Holzwurmlöchern in alten Schuppen oder Scheunen. Sicherung der Streuobstbestände durch Schnittpflege und Nachpflanzung.

Empfohlene Nisthilfen-Typen
Siebenschläfer-Kobel-Nistkasten
direkter Ersatz für Dachstuhl-Quartiere

Holzkasten 18 × 18 × 30 cm mit seitlichem Eingang von 6 cm Durchmesser, Innenausstattung mit Holzwolle, abnehmbarer Deckel, im benachbarten Baum oder an der Hauswand

Höhlenbaum-Erhalt
traditionell genutzte Quartiere

Erhalt mind. eines Höhlenbaums (Buche, Eiche) pro 0,5 ha mit Spechthöhlen oder Astausbrüchen ab 5 cm Eingangsbreite, möglichst in Streuobstlage

Frostfreie Mauerspalte / Erdhöhle
sichere 7-monatige Überwinterung

Frostfreier Spalt in alten Bruchsteinmauern oder Wurzelteller-Höhle in mind. 80 cm Tiefe, dauerhaft erhalten — Siebenschläfer kehren über Jahre zurück

Holzschuppen mit Mauerspalte
beheizungsähnliches Mikroklima

Alter Holzschuppen mit Mauerspalten oder Dachzwischenraum, mind. 5 cm Spaltbreite, dauerhaft erhalten und nicht versiegelt

Maße

Nistkasten 18 × 18 × 30 cm, Einflug 6 cm. Quartier-Spalten mind. 5 cm Breite, 30 cm Tiefe. Mind. 2 Ersatzquartiere pro entferntem Quartier.

Platzierung

Nistkästen in 4 bis 6 m Höhe an Stämmen oder Hauswänden, Einflug in Richtung Süd- bis Südost, im Schutz von Vegetation. Mehrere Quartiere im Abstand 10 bis 30 m, da Tiere zwischen ihnen wechseln.

Aus der Praxis

Wie Sanierungen mit Siebenschläfer-Brutplatz gelöst wurden

Heidelberg· 2023

Dachsanierung mit Quartier-Verlegung

Ausgangslage

Beim Sanierungsbeginn eines historischen Sandsteinhauses wurden 8 Siebenschläfer im Dachstuhl gefunden, der Bauherr hatte den Baubeginn auf März gelegt — mitten im Winterschlaf.

Maßnahme

Sofortiger Stopp der Arbeiten, Beratung durch Fachgutachter, Verschiebung der Sanierung auf Juli. Aufhängen von 4 Siebenschläfer-Kobel-Nistkästen im Garten. Anbringen einer Einwegklappe Mitte Juli für 14 Tage als Ausweichlösung.

Ergebnis

Tiere zogen geordnet aus, Sanierung konnte ab August regulär stattfinden, im Folgejahr drei Kästen besetzt — Population erhalten.

Lehre

Wer im Winterhalbjahr eine Dachsanierung plant, muss frühzeitig (Vorjahr Mai/Juni) auf Quartiere prüfen — sonst gibts ein Bauverbot.

Vollständige Dokumentation →
Bayerischer Wald· 2024

Streuobstbestand als CEF-Fläche

Ausgangslage

Geplante Erweiterung eines Sägewerks überlagerte einen alten Streuobstbestand mit dokumentiertem Siebenschläfer-Vorkommen.

Maßnahme

Erhalt der wertvollsten 12 alten Birnenbäume durch Umplanung des Bauflächengrundrisses, ergänzt durch Pflanzung von 25 jungen Hochstämmen als Ergänzung. Aufhängen von 8 Kobel-Nistkästen, Pflegevertrag über 25 Jahre.

Ergebnis

Bestand erhalten, im 2. Jahr nach Maßnahme 3 Nistkästen besetzt, alte Bäume tragen weiterhin Mast.

Lehre

Streuobst ist für Bilche unersetzlich — Erhalt schlägt Neuanlage immer.

Vollständige Dokumentation →
Quellen & Weiterführende Informationen
Vorkommen

Wo der Siebenschläfer in deutschen Großstädten lebt

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